David.TV – von einer Software, die auszog, das Fernsehen zu verändern

E-GovernmentManagementRegulierung

Tobit entdeckt den Konsumentenmarkt und digitales Fernsehen

“Ah, wieder Werbung, wird Zeit, dass ich die Wäsche aus dem Trockner hole.” Wahlweise darf es auch ein Bier aus dem Kühlschrank sein, wenn nicht gerade der Haushalt ruft. Die Fernsehwerbung als willkommene Pause?

Im Hause Tobit, bekannt durch die Unified-Messaging-Produkte für Unternehmen, spekuliert man mit der Software David.TV eher auf den “ausgerechnet jetzt”-oder “nicht schon wieder”-Effekt, den die Werbungblöcke im Fernsehen bei vielen Zuschauern auslösen. Gepaart mit der Option, unabhängig von den Anfangszeiten fern zu sehen.

David.TV ist “mehr als ein zum Festplatten-Videorekorder umfunktionierter PC mit erhöhtem Benutzerkomfort “, sagt Dieter van Acken, Unternehmenssprecher von Tobit Software. Die Software, die ab Herbst im Fachhandel erhältlich sein soll, macht aus dem PC einen vollautomatischen Sendeplaner.

Nach einem personalisierbaren Profil speichert der Rechner automatisch alle gewünschten Programme auf der Festplatte, hält sie abrufbereit und löscht alte Sendungen – ohne, dass der Zuschauer ständig am PC herumdoktern müsste. Der Clou: Alle Werbeblöcke werden indexiert und können mit einem Druck auf die Fernbedienung übersprungen werden.

Mit dem Produkt David.TV macht das Ahauser Softwarehaus den Namen zum Programm: Die Goliaths sind die Privatsender, die durch den schwächelnden Werbemarkt strauchelnden Riesen der Fernsehlandschaft.

Dort gibt man sich allerdings gelassen. “Wir glauben nicht, dass diese Produkte das Fernsehverhalten verändern”, sagt Katja Pichler, Unternehmenssprecherin von Sevenone Media, dem Werbezeitenvermarkter von Pro7, Sat1, Kabel1 und N24.

Gleichzeitig verweist sie auf aktuelle GfK-Zahlen, die Videorekordern eine tägliche Nutzungszeit von 4 Minuten bescheinigen, dem Fernsehen dagegen 3 Stunden und 39 Minuten. Und – so Pichler, “ganz neu ist die Idee nicht.”

Ähnliche Produkte wie der Festplattenrekorder Tivo oder die Fernseh-Fee, gegen die RTL geklagt und verloren hat, konnten sich am Markt nicht durchsetzen.

Für van Acken ist das kein Grund, an David.TV zu zweifeln: “Die Anfänge sind gemacht und der Unmut der Zuschauer über häufige Unterbrechungen spricht für sich. Ich kenne niemanden, der sich über Werbe-Blöcke freut.”

silicon meint: Wenn es Tobit gelingt, Grafik-Karten-Hersteller ALS Vertriebspartner zu gewinnen oder am besten gleich bei großen PC-Herstellern vorkonfiguriert zu werden, hat David.TV sicher eine Marktchance. Zwar sind die Systemanforderungen und die Notwendigkeit einer Software-Installation nicht zu unterschätzende Einstiegshürden, aber die schrumpfen. Denn die Angst vorm Computer nimmt auch bei älteren Semestern immer mehr ab. Und 129 Euro sind auch nicht zu teuer. Ein Ende der Werbung im Privatfernsehen ist jedoch nicht in Sicht.

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen