Urherberrechte: Erst schießen, dann fragen

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US-Regierung lässt den Wilden Westen wiederauferstehen – im Internet

Im US-Parlament wird zurzeit ein Gesetzentwurf diskutiert, der, wird er Wirklichkeit, mit einem rechtsstaatlichen Prinzip bricht: Dem des staatlichen Gewaltmonopols. Geht der Entwurf der Hollywood-Lobby durch, so kann jeder, der seine Urheberrechte im Internet irgendwo verletzt sieht, dagegen mit handfesten Mitteln vorgehen.
Beispielsweise wird es dann legal sein, mit Hacker-Methoden den Server des tatsächlichen oder auch nur mutmaßlichen Übeltäters lahm zu legen. Ohne Gerichtsbeschluss, ganz wie es der wackere John Wayne in seinem einsamen Kampf gegen die Banditen getan hätte.

Während es – aus gutem Grund – verboten ist, dass etwa ein Ladenbesitzer einem Dieb Handschellen anlegt, ihn im Keller an die Heizung kettet und ihn beliebig lange festhält, wird die Digital-Rights-Mafia aus Film- und Musikproduzenten nach Gusto gegen jeden vorgehen können, der ein geschütztes Liedchen oder Filmchen zum Tausch anbietet.

Im Fadenkreuz der Lobby stehen – einstweilen – vor allem Peer-to-Peer-Tauschdienste. Diese sind in der Vergangenheit zwar häufig durch eine recht legere Interpretation der Urheberrechte aufgefallen. Die US-Gesetzesvorlage lässt aber jede Verhältnismäßigkeit vermissen. Weil die Vermarkter der Hollywood-Ware es nicht verstehen, ihre Erzeugnisse so anzubieten, dass die Kundschaft dafür zu zahlen bereit ist, muss die gesamte Internet-Gemeinde künftig vor selbsternannten Rächern zittern.

Der aktuelle Gesetzentwurf betrifft zwar nur die USA. Die Erfahrung zeigt aber, dass derartiger Unrat schon nach kurzer Zeit auch die Alte Welt erreicht. Daher wird es Zeit, diesen Bestrebungen entgegenzutreten, denn in letzter Konsequenz bedeuten sie eine Einschränkung der Informationsfreiheit für alle.