Microsoft und die Menschenfreundlichkeit

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Bill Gates entwaffnet seine Kritiker

Nun hat Bill Gates also seinen Auftritt im Kartellprozess absolviert. Er hat dabei genau die Aussage gemacht, die alle von ihm erwartet haben – Freunde wie Feinde. Insofern hat er sich als verlässliche Größe – einer der wenigen – in diesem Drama babylonischen Ausmaßes erwiesen.
Klar, ohne die enge Verbindung von Browser und Betriebssystem lässt sich Windows gar nicht bauen. Klar, wenn das Gericht den Softwarepionier dazu verdonnern sollte, den Browser aus der Umklammerung des Betriebssystems zu lösen, könnte Windows und mit ihm Microsoft, der PC-Markt und die gesamte IT nicht mehr richtig funktionieren. Das muss Gates sagen, denn sonst wäre der ganze Prozess umsonst gewesen – darum geht es Microsoft ja gerade.

Was uns daran so entzückt, ist die einfach entwaffnende Naivität, mit der Gates das Wohlergehen der User, der IT und eigentlich der ganzen Nation gleichsetzt mit dem Wohlergehen der Softwarefirma aus Seattle.

Und dann der dramaturgische Höhepunkt der Aussage: Der Multimilliardär gibt die Unschuld vom Lande. Ja, sagt Gates dem Gericht, Microsoft entdecke gelegentlich, dass das Office-Paket Windows-Schnittstellen benutze, die Konkurrenten nicht zur Verfügung stünden.

Wir lernen daraus: Microsoft-Entwickler programmieren offenbar in Trance; sie entdecken erst am fertigen Produkt, welche Schnittstellen sie gerade benutzt haben. Aber natürlich veröffentlicht Microsoft solche zufällig entdeckten APIs sofort, damit auch andere Softwareproduzenten sie nutzen können.

Da wird auch dem hartnäckigsten Kritiker klar, dass man so viel Software gewordene Menschenfreundlichkeit einfach nicht enttäuschen darf. Würde das Gericht nach Maßgabe des gesunden Menschenverstandes handeln, müsste es Bill Gates Größenwahn und Microsoft einen skrupellosen Umgang mit der eigenen Macht attestieren. Und dann käme es nicht umhin, die entsprechenden Konsequenzen für die Zukunft der Firma anzuordnen.

Aber das darf es einfach nicht tun. Gates würde traumatisiert, seine philanthropische Grundhaltung unwiederbringlich beschädigt. Er wäre dann kein idealistischer Multimilliardär mehr, sondern nur noch ein miesepetriger Multimillionär. Vielleicht würden die Marktverhältnisse wieder ins rechte Lot gebracht, vielleicht hätten dann auch andere PC-Softwareanbieter wieder einmal eine Chance, vielleicht würde das Preisniveau sinken, und vielleicht würden sogar die Produkte sicherer werden.

Aber Gates wäre nicht mehr die freundliche, ewig jungenhaft wirkende Verkörperung des amerikanischen Traums, sondern nur noch einer dieser langweiligen, geldgierigen, graugestreiften Superreichen. Sollten wir das wollen?