Trotz Fehlkauf: Deutsche Telekom hält Voicestream-Optionen offen

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Sparmaßnahmen verschärft

Voicestream – Hü oder Hott? Wer darauf eine schnelle Antwort erwartet hat, den hat der Interims-Chef der Deutschen Telekom, Helmut Sihler, fürs erste enttäuscht. Sihler hält sich in Bezug auf die teuer erkaufte US-Mobilfunktochter verschiedene Optionen offen, machte er bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen in Bonn klar. “Es gibt Gespräche, es gibt Kontakte, es gibt keine Verhandlungen.”

Sihler reagierte damit auf Spekulationen, Voicestream sei an einer Fusion mit dem zweitgrößten US-Anbieter Cingular Wireless interessiert und habe diesem angeboten, Mehrheitsgesellschafter zu werden. Die Telekom hatte den Zeitungsbericht zunächst nicht kommentiert.

Sihler hatte am Wochenende eingeräumt, dass Voicestream als Nummer sechs in den USA auf absehbare Zeit keine Chance habe, profitabel zu arbeiten. Branchenbeobachter taxieren das Unternehmen auf einen Marktwert von 10 bis 15 Milliarden Euro. Der ehemalige Telekom-Chef Ron Sommer hatte dagegen 39,4 Milliarden Euro dafür auf den Tisch gelegt. Neben anderen Auslandsbeteiligung steht Voicestream deshalb jetzt auf dem Prüfstand.

Der 72-jährige Interimschef des zurückgetretenen Sommer wird mit der Umsetzung der Entscheidung voraussichtlich nicht mehr befasst sein. Er will bis zum Jahresende einen neuen Vorstandsvorsitzenden präsentieren.

Die Zahlen der Deutschen Telekom fielen wie erwartet schlecht aus. Der Fehlbetrag stieg im ersten Halbjahr 2002 auf 3,89 Milliarden Euro (349 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum), vor allem wegen Abschreibungen. Der Umsatz legte um 14,6 Prozent auf 25,75 Milliarden Euro zu. Im zweiten Quartal betrug das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 3,9 Milliarden Euro.

Im Gesamtjahr 2001 fehlten noch 3,5 Milliarden Euro in der Telekom-Kasse. Für das Jahr 2002 erwartet die Telekom ein deutliches Umsatzwachstum, getrieben vor allem durch den Mobilfunk. Auch das Ebitda soll gegenüber dem Vorjahr steigen.

Sihler nannte das Halbjahresergebnis ermutigend und sehr zufrieden stellend. Vordringliche Aufgabe des Vorstandes sei jetzt die Überprüfung der Unternehmensstrategie. Ergebnisse will Sihler im November mitteilen. Er bekräftigte das Ziel, die Nettoverschuldung bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro zu senken. Im Juni stand die Telekom bei ihren Geldgebern mit gut 64 Milliarden Euro in der Kreide. Ein Programm zur Reduzierung der Sachkosten und zum Stellenabbau, das Einsparungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bringe, sei schon beschlossen. Durch die Schuldenrückführung werde sich auch die Zinslast verringern.

Damit ergibt sich nach Sihlers Worten insgesamt ein Einsparvolumen von mindestens 2,5 Milliarden Euro. Beim Sparen werde es “keine heiligen Kühe” geben. Die Telekom wolle zunächst auch auf die Erweiterung ihrer Konzernzentrale in Bonn verzichten.

Der Konzern rechnet außerdem mit deutlich niedrigeren Einnahmen aus dem beabsichtigten Verkauf des TV-Kabelnetzes als zunächst geplant. Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick spricht von 2 bis 4 Milliarden Euro. Zu Anfang des Jahres war der vereinbarte Verkauf von sechs regionalen Kabelgesellschaften der Telekom an den US-Medienriesen Liberty Media im Gesamtvolumen von 5,5 Milliarden Euro am Bundeskartellamt gescheitert.

Mit ihren Geldproblemen steht die Deutsche Telekom nicht alleine da. Der niederländische Telekom-Konzern KPN hat jetzt überraschend 9 Milliarden Euro bei seinen Mobilfunktöchtern abgeschrieben. Besonders die UMTS-Lizenz der deutschen Tochter E-Plus sei weniger wert als in den Büchern stand.

Bei den Analysten kam der offensive Umgang mit den Wertverlusten der Töchter gut an. Betriebsergebnis, Cashflow und Schuldenabbau würden sich nun verbessern, hieß es aus dem KPN-Vorstand.