IT-Fachkräfte 2002: Arbeitslosigkeit steigt – die Gehälter auch

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Die Chancen auf Karriere sind besser als in anderen Berufen

Die Bundesanstalt für Arbeit weist aktuell deutschlandweit 44 000 arbeitlose IT-Fachkräfte aus. Damit hat sich seit Ende 2000 die Zahl verdoppelt. Doch das Katastrophenjahr 2001 brachte neben Massenentlassungen auch höhere Gehälter: Ausgerechnet in der gebeutelten Telekommunikationsbranche fielen die Steigerungsraten überdurchschnittlich aus.

Die Gehaltsangaben stammen vom Verband Ingenieure für Kommunikation (Ifkom), der in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge eine Untersuchung über die Gehalts- und Arbeitssituation von Fach- und Führungskräften in der Telekommunikation vorlegt.

Darin stellt der Verband einen Gehaltsanstieg von 4,12 Prozent fest, während der Durchschnitt in anderen Branchen bei 3,65 Prozent lag. Am besten verdient haben demnach die Manager bei den Telekommunikationsherstellern. Ein mittleres Jahresgehalt betrug hier 105 000 Euro.

Nach wie vor mussten die Mitarbeiter dafür aber auch lange Arbeitszeiten in Kauf nehmen. In der Unternehmensleitung betrug der mittlere Wert etwa 60 Stunden pro Woche; Fachkräfte arbeiteten im Medium zirka 45 Stunden.

Diese Zahlen lassen fast vergessen, dass die Branche von einer nachhaltigen Krise geschüttelt wird, auch wenn die Ifkom-Studie davon ausgeht, dass die gestiegenen Gehälter das Ergebnis eines noch vorhandenen Nachholbedarfs gewesen sind.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesanstalt für Arbeit legt dagegen ein Bericht vor, der die gegenwärtige Arbeitsmarktlage für IT-Fachkräfte umfassender beleuchtet. Schon der Titel des Kurzberichts “Chancen am Ende des Booms” verheißt Spannendes.

Ja, die Branche Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) ist krisengeschüttelt. Doch IT-Fachkräfte arbeiten auch in anderen Branchen. Deshalb wirken sich auch die aktuellen Hiobsbotschaften von Firmenzusammenbrüchen und Massenentlassungen offenbar nur gedämpft auf die IT-Fachleute aus.

Auch ist die Beschäftigung bis zuletzt gestiegen – wenn auch nicht mehr so stark wie in den Boom-Jahren. In der Folge finden zwar Absolventen einschlägiger Ausbildungsgänge noch immer Arbeit, doch haben es Quereinsteiger zunehmend schwer.

Letztlich sieht Werner Dostal vom IAB, der den Bericht verfasst hat, eine Normalisierung des Arbeitsmarktes für die bis dato heiß umworbenen Fachkräfte. Die Katastrophenstimmung in der IuK-Branche allerdings könnte junge Leute dazu verleiten, eine anspruchsvolle IT-Grundausbildung abzubrechen oder gar nicht erst zu beginnen.

Da eigentlich der Bedarf an IT-Know-how steigt, würde damit ein neuer Scheinzyklus ausgelöst. In den kommenden Jahren fehlt vermutlich ohnehin schon IT-Personal.

Werner Dostal untermauert seine Analyse mit aktuellen Zahlen. Der niedrigste Bestand an arbeitslosen IT-Fachleuten seit Mitte der 90er Jahre war im November 2000 erreicht. Damals waren 21 000 Arbeitslose registriert (15 000 im Westen der Republik und 5500 im Osten).

Seither nimmt die Arbeitslosigkeit massiv zu. Im Juni waren 44 000 arbeitslos gemeldet (33 000 im Westen und 10 500 im Osten). Doch während die Arbeitslosigkeit in allen Branchen von Mai auf Juni mit 0,2 Prozent nur leicht angestiegen ist, hat sie unter den IT-Fachkräften massiv zugenommen – um 10,8 Prozent.

Der Befund schwächt sich allerdings ab, wenn die Arbeitslosenzahlen in Relation zu den Beschäftigten gesetzt werden. Zwar liegen die Beschäftigtenzahlen nur mit erheblicher Verzögerung vor, dennoch lässt sich nachweisen, dass der Bedarf an IT-Leuten ebenfalls stark gestiegen ist. So sind zwischen Ende Juni 2000 bis Ende Juni 2001 rund 52 000 Personen neu in den Berufsbereich eingestiegen, 47 000 versicherungspflichtig und 5000 als Selbständige.

Den jetzigen Bedarf kann auch das Institut nur schätzen. Er dürfte bei rund 33 000 Personen liegen.

Es gibt regional allerdings große Unterschiede. Wie in vielen wirtschaftlichen Betrachtungen macht sich auch hier ein Ost-West-Gefälle bemerkbar. So sind etwa die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsmöglichkeiten in Ostdeutschland von 1993 bis 2001 nur um 32, 4 Prozent gestiegen. Im Westen lag der Prozentsatz bei mehr als dem Doppelten, 68,2 Prozent.

Damit sind derzeit nur 9,1 Prozent der IT-Fachleute in den neuen Bundesländern tätig. Das hat aber wiederum Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitslosen. Nur 23,7 Prozent der arbeitssuchenden IT-Fachleute sind in diesen Bundesländern registriert.