Bundesrat will Call-by-Call im Ortsnetz billigen

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Und der Verbraucher wird vor der Wahl noch gnädig gestimmt

Das weit reichende Ortsnetzmonopol der Deutschen Telekom könnte nun doch schon bald fallen. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen haben sich die Vertreter von Bundesrat und Bundestag im Vermittlungsausschuss auf einen Kompromiss bei der kleinen Novelle des Telekommunikationsgesetzes verständigt.

Das Gesetz könnte noch vor der Bundestagswahl in der kommenden Woche in Kraft treten. Die Freigabe soll zum 1. Dezember erfolgen.

Mit der Reform würde eine Richtlinie der Europäischen Union umgesetzt, die eine vollständige Liberalisierung des TK-Marktes verlangt. Bei Zuwiderhandlung droht die Kommission mit einer Klage und Schadenersatzforderungen beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Die Länderkammer hatte die Vorlage des Parlaments zunächst gestoppt, weil damit die Betreiber von Metronetzen benachteiligt würden, wie es zur Begründung hieß.

Möglich wäre dann eine Vorauswahl des Anschlusses ebenso wie das Call-by-Call-Verfahren bei Ferngesprächen. Dieser erste Schritt der Liberalisierung liegt nun schon mehr als viereinhalb Jahre zurück. Am 1. Januar 1998 waren die ersten Anbieter auf den Markt gegangen – darunter als einer der profiliertesten Mobilcom.

Die Deutsche Telekom dürfte nun unter erheblichen Druck geraten, ihr Tarifmodell zu überarbeiten. Noch immer schleppt der rosa Riese als einziger Anbieter seine “Einheit” zu einem festen Tarif mit sich herum. Gerade kurze Gespräche in der Nebenzeit sind wegen des langen Abrechnungstakts im Vergleich mit anderen Anbietern unverhältnismäßig teurer.

Einige Konkurrenten bedienen sich seit geraumer Zeit eines Tricks, um ins Ortsnetz-Geschäft zu kommen: Über 0190-Nummern bieten sie Verbindungen auch innerhalb des selben Ortsnetzes an, die zu Minutenpreisen von 2 bis 3 Eurocent abgerechnet werden. Lange Vorwahlen und die teilweise erhobenen Verbindungsentgelte haben allerdings einen Durchbruch beim Verbraucher bisher verhindert.