Branchenverband Bitkom schaut in ein Tal der Tränen

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Internet- und Mobilfunk-Dienste liegen trotzdem weit über der Nulllinie

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) sieht den deutschen Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) schrumpfen. Der Umsatz falle in diesem Jahr um 1,3 Prozent auf 136 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten sinke im Jahresverlauf voraussichtlich von 819 000 auf 791 000. Einzig Telekommunikations- und Internet-Dienste halten die Fahnen hoch.

Nach Angaben des Verbandes ist es das erste Mal, dass der ITK-Sektor ein Minus hinlegt. Bislang hätten stets einzelne sehr dynamische Segmente die Verluste zuweilen notleidender Bereiche ausgleichen können. In diesem Jahr aber schreiben fast alle Segmente rote Zahlen – mit Ausnahme der Telekommunikations- und Internet-Dienste. Selbst die Wachstumsträger des letzten Jahrzehnts, Software und IT-Services, hätten ihre Zugkraft verloren.

Deutschland befinde sich zwar nicht allein in einer schwierigen Situation. Doch immerhin erzielten Frankreich, Italien und die skandinavischen Länder im Branchendurchschnitt noch Zuwächse von 2 Prozent. “Deutschland ist international das Schlusslicht”, stellt Bernhard Rohleder, Vorsitzender der Bitkom-Geschäftsführung, fest.

Am stärksten vom Nachfragerückgang betroffen ist demnach die Hardware. Anbieter von Geräten und Infrastruktursystemen müssen in diesem Jahr einen Rückgang von durchschnittlich 10,3 Prozent auf 38,1 Milliarden Euro hinnehmen. PCs und Handys verzeichneten ein Minus von gut 11 Prozent. Drucker liegen bei minus 14 Prozent. Vermittlungs- und Übertragungstechnik zwischen minus 25 und minus 30 Prozent. Schließlich weist der Markt für Infrastruktursysteme im Mobilfunk sogar einen Abfall von 40 Prozent aus.

Auch Softwarehäuser und IT-Dienstleister sind in schweres Fahrwasser geraten. Die Umsätze mit Software werden im Jahresverlauf 2002 voraussichtlich um 0,8 Prozent auf 15,1 Milliarden Euro schrumpfen. Bei IT-Services gehen die Umsätze mit 0,3 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro noch leichter zurück.

Eine erfreuliche Ausnahme bilden nach Bitkom-Erkenntnissen die Telekommunikationsdienste. Dieses Marktsegment dürfe mit einer weiterhin steigenden Nachfrage rechnen – im Jahr 2002 insgesamt mit einem Plus von 5,5 Prozent auf 53,6 Milliarden Euro. Die traditionelle Festnetztelefonie stagniert allerdings bei 22,7 Milliarden Euro. Den Anstieg verdankt die Branche den Mobilfunk- und Internet-Diensten. Im Mobilfunk zeichnet sich ein Wachstum von 8,5 Prozent auf 19,9 Milliarden Euro ab. Internetdienste legen sogar um 20 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro zu.