Bundesdeutsche IT-Landschaft verkümmert gegen den Trend

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Bitkom beklagt schlechte Rahmenbedingungen

Nach Jahren des Wachstums befindet sich die Computer- und Telekommunikationsindustrie in Deutschland nach Einschätzung des Branchenverbands Bitkom derzeit auf Talfahrt. 2002 werde der Markt erstmals um 1,3 Prozent auf 136 Milliarden Euro schrumpfen, sagte Bitkom-Präsident Volker Jung am Dienstag in München.

“Deutschland ist damit momentan international das Schlusslicht und das liegt nicht, wie es oft heißt, an der Weltkonjunktur.” Frankreich, Italien und die skandinavischen Länder erzielten im Durchschnitt immer noch Zuwächse von etwa zwei Prozent.

Nach wie vor besitze die Computer- und TK-Branche ein enormes Potenzial. “Ob und wie schnell sich dieses Potenzial wieder entfalten kann, liegt nicht zuletzt an den Spielregeln, die die Politik setzt”, sagte Jung, der ein 10-Punkte-Programm der Branche für die neue Legislaturperiode vorlegte.

Zu seinen wichtigsten Forderungen zählt der Verband eine “Entkrustung des Arbeitsrechts”, Strukturreformen im Bildungswesen und eine Erleichterung des UMTS-Aufbaus.

Nie zuvor habe es in der Vergangenheit in der Gesamtbranche ein Minus gegeben, sagte Jung. Bislang hätten stets einzelne sehr dynamische Segmente die Verluste Not leidender Bereiche ausgleichen können. In diesem Jahr schrieben jedoch fast alle Segmente mit Ausnahme der Telekommunikations- und Internet-Dienste rote Zahlen.

“Selbst die Wachstumsträger des vergangenen Jahrzehnts, Software und Serviceleistungen für die Informationstechnologie, haben ihre Zugkraft verloren.” Im vergangenen Jahr sei noch ein leichtes Plus von 1,7 Prozent auf knapp 138 Milliarden Euro verbucht worden.

Auch die Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie sei erstmals seit Anfang der 90er Jahre rückläufig. Der Bitkom geht davon aus, dass im laufenden Jahr bundesweit gut drei Prozent der Stellen, rund 28 000 Arbeitsplätze, wegfallen werden.

Erstmals müssten nun auch Softwarehäuser und IT-Dienstleister Mitarbeiter entlassen. Zwischen 1999 und 2001 hatten diese Unternehmen noch 87 000 zusätzliche Stellen geschaffen.

Für das kommenden Jahr zeichnet sich nach Bitkom-Angaben ein allmähliches Ende der Talfahrt ab. Dann werde es eine leichte Stabilisierung der Nachfrage geben und die Branche werde voraussichtlich unter dem Strich eine schwarze Null erreichen. Der Branchenverband erwartet, dass die Umsätze leicht um 0,4 Prozent auf 136,5 Milliarden Euro steigen könnten.

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