Siemens: Wilde Spekulationen über Rückzug aus der Handysparte

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Dementi spricht nur von “Kooperationen”

Der Siemens-Konzern erwägt einen Rückzug aus dem Handygeschäft: Dieses Gerücht sorgt in der Branche für Aufregung. Seit Wochenbeginn wird nun darüber spekuliert, ob das Unternehmen seine Handy-Herstellung komplett aufgeben und in einem Tauschgeschäft an Motorola weiterreichen könnte.

Zumindest will die Financial Times Deutschland von solchen Plänen erfahren haben und beruft sich dabei auf Informationen aus dem Konzern. Über die Grundzüge des Geschäftes besteht demnach bereits Einigkeit. Motorola würde die Mobiltelefone von Siemens übernehmen, die Deutschen bekämen vom US-Konzern das Geschäft mit den Mobilfunknetzen.

Siemens-Chef Volker Jung dementierte heute allerdings die Gerüchte über ein mögliches Tauschgeschäft. Im Moment führe Siemens verschiedene Gespräche, um die Kosten zu senken.

Allerdings sei noch unklar, was bei den Verhandlungen herauskomme. “Es ist nicht vorstellbar, dass sich der Technologiekonzern völlig vom Mobilfunk trennt”, so Jung. Vielmehr wäre eine Zusammenarbeit mit Motorola und anderen denkbar. Jeder in der Branche spreche im Moment über Kooperationen und über andere Möglichkeiten zur Kostensenkung, so Jung vor Journalisten in München.

Blickt man aber auf die Handy-Sparte, sind die jüngsten Gerüchte und Spekulationen durchaus nachvollziehbar. Noch vor einem halben Jahr rühmte der zuständige Vorstand auf der CeBIT die stabile Funktion des Mobilfunk-Bereichs.

Denn immerhin ist Siemens der drittstärkste Hersteller hinter Nokia und Motorola. Mittlerweile sind die Deutschen mit einem Weltmarktanteil von 8,4 Prozent allerdings auf den vierten Platz hinter Samsung zurückgefallen.

Branchenprofis halten einen Deal mit Motorola außerdem für unwahrscheinlich. Motorola könnte sich damit in Europa einen wesentlich besseren Stand erarbeiten. Hier ist die Marke nur unter Durchschnitt vertreten.

Dass Siemens Motorolas Global Telecom Solutions Sector (GTSS) übernehme, könnte dagegen zu Schwierigkeiten führen, da der Bereich im zweiten Quartal einen Verlust von 525 Millionen Dollar verbucht habe. Deshalb verlangt Konzernchef von Pierer offenbar einen Aufschlag von Motorola, heißt es.

Silicon meint: Die Münchner Handyschrauber haben sich anfangs richtig schwer getan, auch in Deutschland. Zu angestaubt war das Image der Marke Siemens. Inzwischen erreicht der Konzern mit seinen Mobilfunkgeräten auch die junge, kauflustige Zielgruppe, nach der sich jeder die Finger schleckt. Es wäre also mehr als dumm, diesen Zugewinn leichtfertig zu verspielen, auch wenn die Akzeptanz schon jenseits der Bundesgrenzen noch immer nicht so richtig berauschend ist.