Telekom beschleunigt Arbeitsplatzabbau

E-GovernmentManagementRegulierung

Vor allem Festnetz-Jobs kommen ins Wackeln

Die hochverschuldete Deutsche Telekom will mit einem beschleunigten Arbeitsplatzabbau in der personalintensiven Festnetzsparte T-Com ihre Kosten deutlich senken. Allein bei T-Com fallen bis 2005 insgesamt rund 30 000 Arbeitsplätze weg, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Diese Zahl entspreche den bisherigen Angaben zum nötigen Stellenabbau, erläuterte ein Sprecher der Deutschen Telekom AG. Nun sollten aber bereits im kommenden Jahr 14 000 Stellen wegfallen und damit ein Großteil des Stellenabbaus früher Realität werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di kritisierte die Pläne zum beschleunigten Stellenabbau als falsches Signal und drohte mit Widerstand.

Im laufenden Jahr würden mit 7200 Stellen nur etwa halb so viele Arbeitsplätze abgebaut wie 2003, hieß es weiter. Bei T-Com sind in Deutschland 120 000 von insgesamt 170 000 Mitarbeitern der Deutschen Telekom tätig. Die Telekom erhoffe sich hohe Kosteneinsparungen, eine schnellere Rückkehr in die Gewinnzone und Fortschritte beim Abtragen der Schulden. Der Stellenabbau werde sozialverträglich erfolgen mit dem Streichen offener Stellen und dem Nichtbesetzen frei werdender Stellen. Außerdem sollen Mitarbeiter in eine neue, Telekom-interne Personalservice-Agentur wechseln. Wie viele Arbeitsplätze in anderen Konzern-Sparten wegfallen könnten, wurde in dem Zusammenhang nicht mitgeteilt. Der Konzern schiebt einen Schuldenberg von mehr als 60 Milliarden Euro vor sich her und schrieb 2001 mit einem Fehlbetrag von 3,5 Milliarden Euro tiefrote Zahlen.

Ver.di betonte, dass es tarifvertraglich geregelt sei, dass es bei der Festnetztochter T-Com bis Ende 2004 keine Entlassungen geben werde. Die noch junge Personalservice-Agentur dürfe nicht dazu missbraucht werden, einen pauschalen Arbeitsplatzabbau durch eine Personalverschiebung in diese Einheit zu beschleunigen. Sollte die Telekom weiter ausschließlich mit Personalabbau die Probleme lösen wollen, sei mit erheblichen Widerstand von ver.di und den Betriebsräten zu rechnen, hieß es.

Beim Schuldenabbau hatte die Deutsche Telekom in den vergangenen Monaten Rückschläge hinnehmen müssen. So scheiterte der Verkauf von Fernsehkabelnetzen für 5,5 Milliarden Euro an den US-Konzern Liberty Media am Einspruch des Bundeskartellamtes. Wie Zeitungen in den vergangenen Tagen berichteten, sollen die Offerten bei der neuen Verkaufsrunde nur etwa zwei Milliarden Euro betragen und damit noch unter den bereits nach unten geschraubten Erwartungen der Telekom liegen. Zudem wurde der Börsengang der Telekom-Mobilfunktochter wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten verschoben. Daneben muss sich der Konzern nun auf Konkurrenz im Ortsnetz einstellen: Vom 1. Dezember an können Kunden auch Gespräche über andere Telefongesellschaften per Vorwahl führen.