Sun legt die Axt an den Personalstamm

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Deutsche Niederlassung hofft auf Schonung

Der Rechnerhersteller Sun Microsystems hat zwar die Analysten positiv überrascht und seine Verluste deutlich verringert. Trotzdem müssen jetzt einige Tausend Mitarbeiter den Hut nehmen.

In der deutschen Niederlassung in Heimstetten bei München hofft man, dass der Kelch vorübergeht: Die teutonische Landesgesellschaft hat im europäischen Vergleich sehr gut abgeschnitten.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwirtschaftete Sun einen Verlust von 111 Millionen US-Dollar oder vier US-Cent je Aktie. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 180 Millionen Miese gewesen.

Der Verlust war zwar niedriger, als die Analystenschar befürchtet hatte, aber dennoch heftig genug, um Sorgenfalten auf die Stirn von Sun-CEO Scott McNealy zu zaubern. Das Unternehmen kündigte daher eine zweite Entlassungswelle an; 4400 Mitarbeiter sollen gehen – die meisten noch vor dem Jahresende. Vor einem Jahr hatte Sun bereits 3900 Stellen gestrichen.

Die Jobkürzungen sollen gleichmäßig über die weltweiten Sun-Niederlassungen verteilt werden, hieß es aus der deutschen Dependance. Doch die Mitarbeiter der deutschen Sun-Zentrale glauben, dass das Streichkonzert hierzulande gemäßigter ausfällt als anderswo: Sun Deutschland hat seinen Plan übererfüllt und entgegen dem Konjunkturtrend besser abgeschnitten als andere Niederlassungen in Europa. Dazu hätten vor allem einige Großprojekte im Finanzsektor und in der Automobilbranche beigetragen, teilte ein Sprecher mit.

Sun-Chef McNealy rechtfertigte die Stellenstreichungen. “Harte Zeiten erfordern harte Entscheidungen”, sagte der Manager. Gleichzeitig deutete McNealy eine Änderung in der Vertriebsstrategie an. “Wenn ich die drei oder vier letzten Jahre noch einmal vor mir hätte, würde ich mehr über den Channel verkaufen”, sagte McNealy. Künftig werde Sun noch mehr Verantwortung für Verkauf und Support an Vertriebspartner abgeben.

Eine Überraschung stellt auch das gute Abschneiden der Office-Software Star Office dar. Das fast kostenlos abgegebene Paket habe sich ganz ohne Werbeaufwand in Windeseile verbreitet. Sun habe mit dem gegen Microsofts Office-Suite positionierten Programm Boden gut gemacht – und sogar Profite erzielt, sagte McNealy laut US-Medienberichten.