Systems: Ein kleiner Lichtblick in der Krise

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Neuer Messe-Geschäftsführer übernimmt kein einfaches Erbe

Leere Hallen, unzufriedene Aussteller und wenig Business – ist das die Systems 2002? Nicht ganz. Denn trotz der unleugbaren Krise gibt es optimistische Stimmen, nicht nur aus den Reihen der Messe-Geschäftsführung. Dort wurde am Rande der Messe auch eine personelle Änderung vollzogen: Der langjährige Geschäftsführer Joachim Enßlin übergab sein Amt an Klaus Dittrich, der schon bisher der Geschäftsleitung angehörte.

Enßlins Bilanz fiel erwartungsgemäß auch recht positiv aus. Neue Strukturen, stärkere Ausrichtung auf Lösungsansätze statt der reinen Präsentation von Produkten, Integration der Telekommunikation sowie eine Betonung der Konzentration auf Businesskunden – so lauten die Eckpunkte seines Rückblicks. “99 Prozent unserer Besucher sind Fachpublikum”, sagt der Noch-Geschäftsführer der Messe stolz und nennt gleich noch ein paar Zahlen: 90 Prozent des Publikums seien Entscheider in Unternehmen, 51 Prozent davon befänden sich in einer leitenden Position, 30 Prozent der Besucher könnten über ein Investitionsvolumen von mehr als 100 000 Euro verfügen.

Freilich kann auch Enßlin nicht leugnen, dass die Systems nicht mehr ist, was sie einmal war: “Es ist nicht zu erwarten, dass die Messe brummt, wenn der Markt nicht brummt.” Die Aussteller seien, so Enßlin, trotzdem zufrieden: “Die Stimmung ist besser als erwartet. Viele sehen einen Silberstreif am Horizont und glauben, dass die Talsohle durchschritten ist. Die Systems 2002 kann ein gutes Stück dazu beitragen, dass der Markt wieder anzieht.”

Wirklich? Nicht alle Aussteller sind so optimistisch. “Trostlos”, lautet das knappe Urteil von Dietmar Uhlenhut, Channel Development Manager beim Software- und Beratungshaus s+p: “Zwei Drittel der Kontakte auf der Messe haben bereits vorher bestanden, da kommen keine neuen Kunden. Und das restliche Drittel besteht aus jenen, die keine Entscheidungsbefugnis haben – die nehmen dann ein paar Prospekte mit und das war’s.” Etwas gelassener sieht man die Lage beim Security-Unternehmen Sybari. “Es ist nicht überwältigend, aber unser Auftritt hier hat uns schon etwas gebracht”, sagt Director EMEA Scott Lehmann. Wobei das kaum überraschen dürfte – schließlich gehört der Security-Markt noch zu jenen Segmenten der IT-Branche, die die Krise verhältnismäßig gut überstehen dürften.

Ganz unrecht hat Enßlin mit seiner positiven Sicht allerdings nicht. Denn so mancher Aussteller ist mit dem Ergebnis der Messe durchaus zufrieden. “Die große Resonanz hat uns nach den Negativankündigungen im Vorfeld sehr überrascht”, resümiert etwa Bernd Kowalski, Abteilungsleiter im Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ähnlich sieht man es auch bei der deutschen Telekom. “Die Messe hat sich wieder als hochwertige Kontaktbörse zu den Entscheidern im Mittelstand erwiesen”, sagt Unternehmenssprecher Hans-Martin Lichtenthäler. Und auch bei IBM hört man Positives. “Unser Auftritt war sehr erfolgreich”, freut sich Direktor EMEA Jörg Peters. “Wichtig ist ja nicht die Masse, sondern die Klasse, also die Qualität der Gespräche, und die ist zweifellos vorhanden.”

Trotzdem: Enßlins Nachfolger Klaus Dittrich tritt ein schweres Erbe an. Wohl spricht auch er von einem “soliden Fundament” der Messe, das man erhalten wolle – andererseits aber sieht er sehr wohl die “großen Herausforderungen”, die vor ihm liegen. Dittrich will den Fokus auf Professionals ausbauen und gleichzeitig den Mittelstand mit spezifischen Informationen versorgen, die Internationalität der Messe vor allem durch eine stärkere Ausrichtung auf die EU-Beitrittskandidaten fördern, die Entwicklung der Neuen Medien stärker betonen und die Potenziale des Standorts München besser nutzen.

In der Messeleitung geht man nun mit frischem Mut ans Werk – daran können auch die abnehmenden Besucherzahlen nichts ändern. Im Vergleich zur Systems 2001 gaben statt 117 000 diesmal nur mehr 80 000 Fachbesucher der Messe München die Ehre. Die Bewertung der Aussteller hat sich allerdings verbessert. 47 Prozent von ihnen gaben der Messe die Noten “Ausgezeichnet” bis “Gut” – im Vorjahr waren es nur 43 Prozent gewesen.

Und wohin geht die Reise, was die Trends in der IT-Branche betrifft? Enßlin ist überzeugt, dass es nun vor allem wichtig wird, Geschäftsprozesse zu integrieren: “Die Unternehmen wollen keine Insellösungen mehr.” Daneben sieht der scheidende Messe-Geschäftsführer auch eine große Zukunft im Bereich Security und Storage Management. Dittrich will vor allem gemeinsam mit Ausstellern und Besuchern eine Mehrjahresstrategie für die Systems entwickeln.

silicon meint: Kein Zweifel: Die Systems ist nur noch ein Schatten dessen, was sie in Boomzeiten einmal war. Auch gegenüber ihrem großen Konkurrenten in Hannover hat sie an Terrain verloren. Doch der größte Teil dieser Verluste dürfte konjunkturbedingt sein. Denn das Konzept der Systems ist richtig: Sie bietet mit Lösungen und thematischen Schwerpunkten dem betriebswirtschaftlich orientierten Entscheider eine wesentlich bessere Orientierung als die endlose chaotische Aneinanderreihung von Produkten, wie wir sie auf der CeBIT regelmäßig erleben. Deshalb wird die Systems ein Comeback erleben, sobald es in der Branche wieder besser läuft.