Pentagon-Berater muss wegen Online-Terrorwettbüro gehen

Management

Die gescheiterten Pläne für ein Online-Wettbüro auf Terroranschläge wird in Washington nun auch
personelle Konsequenzen mit sich bringen.

Die gescheiterten Pläne für ein Online-Wettbüro auf Terroranschläge im Nahen Osten und anderen
Krisenregionen der Welt werden in Washington nun auch personelle Konsequenzen an oberster Stelle
mit sich bringen. Der Pentagon-Berater und Ex-Admiral John Poindexter tritt amerikanischen
Medienberichten zufolge von seinem Posten zurück.
Das US-Verteidigungsministerium wollte eigentlich zum 1. August damit beginnen, zunächst 1000
Teilnehmer für eine Online-Plattform zu gewinnen, auf der ‘Futures’ auf bestimmte Ereignisse gekauft
werden können. Wie auch an der Börse könnten die Anteilsscheine im Wert steigen oder sinken, je
nachdem für wie wahrscheinlich die Marktteilnehmer das Ereignis einschätzen. Die US-Regierung
wollte auf diesem marktwirtschaftlichen Weg die Informationen von möglicherweise tausenden gut
informierten Teilnehmern bündeln und kanalisieren, um Terroranschläge zu verhindern oder andere
politische Entwicklungen zu beeinflussen.

Nachdem zwei US-Senatoren die Pläne öffentlich gemacht hatten, erhob sich aber eine Welle der
Entrüstung. Es sei moralisch verwerflich, etwa auf die Ermordung von Staatsoberhäuptern anderer
Staaten Wetten anzunehmen, so die Aussage mehrerer hochrangiger Politiker. Gute Erfahrung haben
beispielsweise die Briten mit Wetten auf politische Ereignisse gemacht. Vor allem kurz vor den
Parlamentswahlen sind die Buchmacher der Londoner Wettbüros eine gefragte Informationsquelle,
weil ihre Quoten dem tatsächlichen Wahlausgang meist sehr nahe kommen. Wirtschafts- und
Politikwissenschaftler haben außerdem nachgewiesen, dass sich mit Future-Kontrakten die
Entwicklung des Ölpreises meist recht genau vorhersagen lässt.

Poindexters jüngster PR-Reinfall war aber offenbar nur der Tropfen, der das Fass zum
Überlaufen brachte. Erst vor wenigen Wochen verweigerte der US-Kongress die Finanzierung seines
Programms zur umfassenden Informationssammlung, der ‘Total Information Awareness’. Im Rahmen
der Terrorismusbekämpfung sollten finanzielle Transaktionen, medizinische und biometrische Daten
sowie Reisedaten gesammelt und ausgewertet werden, um die Vorbereitung von Anschlägen zu
erkennen.