Digicams sind “heiße Ware”

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Während fast die gesamte Technik- und Computerwelt besorgt um ihre Zukunft zittert, könnte es den Herstellern von Digitalkameras nicht besser gehen.

Einer der heißesten Trends auf der CeBIT 2003 sind Digitalkameras. Während fast die gesamte Technik- und Computerwelt besorgt um ihre Zukunft zittert, könnte es den Herstellern von Digitalkameras nicht besser gehen. Der Markt boomt.
Immer kleinere Kompaktkameras und ein augenscheinlich ununterbrochener Preisverfall locken die Kunden zum Kauf. Das wiederum bringt kurze Produktzyklen mit sich und somit das Geld für schnelle Weiterentwicklungen – ein bittersüßer Teufelskreis.

Modelle auf der CeBIT

Die größten Anbieter dieser digitalen Technik sind Fujifilm, Sony und Canon, sowie Kodak und Olympus. Gemeinsam nehmen sie 75 Prozent des Weltmarktes der Digitalkameras ein. Vor der CeBIT haben fast alle großen Unternehmen der Branche eine Vielzahl neuer Modelle angekündigt:

Fujifilm stellt auf der Messe unter anderem sein neuestes Produkt die “F700″ vor. Es ist die erste Kompaktkamera, die 6,2 Millionen Bildpunkte auflösen kann. Mit geringer Auflöseverzögerung und optionaler Bildmerkmalfunktion wie Dia, Farbnegativ oder Schwarzweiß reicht die kleine nach Angaben von Fuji an fotografisches Filmmaterial heran. Ein Preis wurde noch nicht bekannt gegeben.

Sony setzt dagegen die Gewichtung etwas anders. Das neueste Modell des Weltführers bei Digitalkameras, die Fünf-Megapixel-Kamera “Cybershot DSC-V1″, ist auf Moment- und Nachtaufnahmen spezialisiert. Sie besitzt ein vierfach optisches Zoomobjektiv und einen Autofokus. Außerdem ist das Produkt mit einem Nachtsichtgerät ausgestattet, das Nachtaufnahmen per Infrarot möglich machen soll. Für 800 Euro kommt das Modell im Mai in den Verkauf.

Auch Deutschlands Marktführer mischt mit

Die Canon “Ixus 400″ steht in direktem Wettbewerb zu Sonys Flaggschiffprodukt. Der Marktführer in Deutschland will sein Modell mit einem Vier-Megapixel-Bildsensor und einem dreifach optischen Zoomobjektiv für 630 Euro ab April auf den Markt werfen.

Der japanische Hersteller Olympus bringt gleich zwei neue Modelle mit auf die CeBIT,” Mju 300″ und “Mju 400″. Sie sind mit 3 beziehungsweise 4 Megapixel ausgestattet und verfügen beide über ein dreifach optisches Zoomobjektiv. Etwa 500 Euro soll die Mju 300 kosten, die Mju 400 ist ab 600 Euro erhältlich.

Der neueste Spross von Kodak ist die “DX6340 Zoom”. Die Digitalkamera besitzt ein Schneider-Kreuznach-Objektiv, das einen Brennweitenbereich von 36 bis 144 Millimeter, beziehungsweise ein optisches 4-fach-Zoom ermöglicht. An manuellen Optionen stehen verschiedene Belichtungs-Einstellmöglichkeiten zur Auswahl. Die DX6340 nimmt auch Videosequenzen mit Ton auf und kostet rund 400 Euro.

Viele andere Hersteller wie Pentax, Nikon oder Sanyo gelten ebenfalls als auf dem Markt etabliert und wollen ein Stück vom großen Kuchen abbekommen. Auch sie sind mit ihren neuesten Produkten auf der CeBIT vertreten.

Hinter den Kulissen eines Booms

Doch warum kaufen die Menschen in einer Ära der Sparsamkeit ausgerechnet das endkundenorientierte Unterhaltungsprodukt “Digitalkamera”? Niedrige Preise und verbesserter Fotodruck, glauben Analysten der Marktforschungsgruppe Gartner Dataquest, bewegten die Kunden vorwiegend zum Kauf.

Die Einstandspreise der neuen Kameras liegen oft unter denen ihrer leistungsschwächeren Vorgänger, wobei die Preise zusätzlich noch oft höher sind als die von den einst beliebten Spiegelreflexkameras mit Objektiv, welche die Kunden heute links liegen lassen. Beim Kamerakauf ist laut den Experten aber eine hohe Bildauflösung gefragt. Ein starker Aufrüstungsdrang der Konsumenten füttere die Hersteller fortwährend mit einem guten Umsatz.

Verlockend an den Neuzeit-Fotoapparaten seien vor allem auch die erweiterten Möglichkeiten wie Speicher- und Löschfunktion, die dem Kunden eine gewaltige Auswahl an Bildern biete, schon bevor er sie zu Papier bringt. Ebenso sei der Versand von Fotos per E-Mail und die Bearbeitung genau wie die platzsparende Archivierung per PC ein deutlicher Vorteil. Nach einem Neukauf machen die Besitzer schließlich nach einer Fuji-Studie im ersten Jahr knapp 600 Bilder. Etwa 70 Prozent davon werden gespeichert, 23 Prozent davon werden wiederum zu Papierbildern verarbeitet – der gesamte Rest wird demnach gelöscht.

Unangenehme Nebenwirkungen

Nicht allen großen Herstellern ist der gewaltige Boom jedoch s geheuer. “Diese Entwicklung könnte den Markt total umkrempeln”, meint Helmut Rupsch, Geschäftsleiter bei Fuji Photo Fotofilm Europe. Auf längere Sicht bedeute der “Digicam-Rausch” das Ende der Videokamera. Der Ansturm habe eine Digitalisierung der Fototechnik zur Folge.

Auch der Fotohandel müsste sich wahrscheinlich in naher Zukunft teure Minilabs für die moderne Bildproduktion aus Memory Cards zulegen, um mitzuhalten, heißt es. Für viele kleinere Unternehmen könne dies das Ende bedeuten. Derzeit werden digitale Aufnahmen auf CD kopiert und zur Papierbildproduktion in Großlabors gegeben.

Ein definitiver Nachteil vieler Digicams sei die teilweise immer noch umständliche Bedienung. Das scheine die Konsumenten allerdings bis jetzt wenig abzuschrecken.

Weitere Aussichten: Heiter und wolkenlos

In Deutschland hat sich der Markt für digitale Fotografie 2002 im Vergleich zum Vorjahr auf einen Absatz von 2,4 Millionen Stück verdoppelt. Damit wurde erstmals der Verkauf analoger Apparate überrundet. Derzeit werden 8 Prozent von insgesamt 5 Milliarden Color-Papierbildern von digitalen Daten gezogen. Und der Siegeszug der auf winzigen Memory Cards gespeicherten Aufnahmen soll erst beginnen.

Die großen Produzenten planen nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Nikkei Market Access für 2003 einen Produktionsanstieg auf 40 Millionen Einheiten. Auch für die Zukunft rechnen Analysten mit einem weiteren Wachstum der Verkaufszahlen. Sie prophezeiten für das Jahr 2003 eine Wachstumsrate von rund 18 Prozent und ein Verkaufsvolumen von insgesamt rund 31 Millionen Digicams weltweit.

Neue Chancen für Mobilfunk

Von einem “traumhaften Boom, den selbst Experten so nicht erwartet hätten” schwärmt der Fuji-Chef Helmut Rupsch. Das Bildergeschäft habe noch ungenutzte Potentiale, sagt er. Der Mobilfunkmarkt sei beispielsweise ein Bereich, der schon heute von der Technik profitiere.

Mithilfe von integrierten Mini-Digitalkameras ermöglichen die Handy-Anbieter das Versenden von Fotoaufnahmen per MMS (Multimedia Messaging System) über das Mobiltelefon. Anbieter wie Nokia, Sony, Ericsson oder Samsung dürfen sich über den Umsatz von Digicam-Handys freuen. Auch die Einnahmen aus dem MMS-Service, mit dem unter anderem Bilder per Handy verschickt werden können, geben Anlass zum Feiern.

Der gegenüber einer SMS enorm hohe Übertragungsaufwand ist nur mit Technologien wie UMTS zu realisieren und die Kosten für den Benutzer sind, zumindest anfangs, dementsprechend hoch. Je nach Datenmenge lassen sich die Anbieter eine MMS mit bis zu 99 Cent pro verschickte Nachricht bezahlen.

Das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics prognostiziert den Digicam-Telefonen sogar ein Verkaufsvolumen von 147 Millionen Geräten bis zum Jahr 2007. Die Experten behaupten, dass das Mobiltelefon mit Linse den Digitalkameras langfristig die Stellung abringen und eine Konvergenz zwischen beiden Technologien entstehen wird.