Der SCO-Terminator nennt seine Preise

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Die Klage von Redhat sollte SCO im Linux-Urheberrechtsstreit aus der Reserve locken. Der Hersteller will Anwender ohne Lizenz auf jeden Fall vor Gericht zerren.

In verschärftem Ton hat der amerikanische Softwarehersteller SCO auf die Klage des Linux-Distributors Redhat reagiert – und gleichzeitig Preise für seine Lizenzen veröffentlicht, mit denen sich Unternehmen vor Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen schützen sollen. Ein Ausweg aus der verfahrenen Situation, die die gesamte Softwareindustrie rund um das Open-Source-Betriebssystem zu lähmen droht, ist nicht abzusehen.
Für eine Desktop-Einzelplatzlizenz will SCO 200 Dollar verlangen, 700 sollen für einen Ein-Wege-Server fällig werden. Zwei CPU schlagen den Vorstellungen von SCO mit 1150 Dollar zu Buche, vier CPU sollen 2500 kosten und acht 5000 Dollar. Jeden Embedded-Einsatz von Linux will sich der Hersteller mit 32 Dollar abgelten lassen.

Allerdings sei das für die Serverlizenz nur ein “Einführungspreis”, heißt es bei SCO. Ab Mitte Oktober will das Unternehmen das Doppelte verlangen – für ein Betriebssystem, dessen Quell-Code unter der GNU General Public License veröffentlicht wurde und deshalb als frei verwendbar für jedermann gilt. Die GPL sei von Grund auf unsinnig, so SCO-Chef Darl McBride, sowohl ökonomisch als auch juristisch.

In Reaktion auf die am Vortag eingereichte Redhat-Klage sagte McBride während einer Telefonkonferenz mit Journalisten und Finanzanalysten, es gehe um weit mehr als Interessen von SCO oder Redhat. “Hier geht es um die Frage, ob Urheberrechte im Internetzeitalter überhaupt noch etwas wert sind oder nicht.”

Redhat will mit seiner Klage erreichen, dass SCO seine Anschuldigungen zurücknehmen muss, Redhat verletze mit dem Vertrieb seiner Betriebssystemprodukte Urheberrechte von SCO. Das Softwareunternehmen behauptet, IBM habe seine Unix-Lizenz missbraucht, um Quell-Code daraus in die Open-Source-Software zu überführen. “Die Klage bestätigt ja sogar, was wir seit Monaten sagen”, polterte McBride. “Die Linux-Entwickler sind entweder unfähig oder nicht willens, den Code genau zu überprüfen. Redhat verkauft Software, deren Code – eindeutig oder verschleiert – Code aus unserem Unix System 5 enthält.”

Linux-Anwender, die weiter abwarten wollen und keine Lizenz erwerben, sollen sich McBrides Drohungen zufolge darauf gefasst machen, von SCO verklagt zu werden. “Wir sind entschlossen, unsere Urheberrechte zu 100 Prozent durchzusetzen.”

Analysten wie Gordon Haff von Illuminata erwarten allerdings keinen Ansturm auf die kostspieligen Angebote von SCO, bevor nicht tatsächlich erste Klagen eingereicht werden. Sollte es tatsächlich so weit kommen, was bisher keiner vorhersagen will, dann könne der Schaden für Linux allerdings beträchtlich sein, fürchtet Haff. “Wenn man den Preisvorteil eliminiert und das Open-Source-Modell praktisch zerstört, bleibt nicht viel”, so der Analyst. Denn technisch gesehen habe Linux im Endeffekt kein wirkliches Wunderwerk zu bieten. “Dann kommt man mit einer Windows- oder Solaris-Lizenz billiger weg.”