Auch das noch: Die Spammer-Selbsthilfegruppe hat ihr Forum verloren

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Eine Webseite, auf der sich Spammer regelmäßig austauschen, ist offline. Daran sind die Mitglieder selbst schuld und das wäre auch keine Meldung wert. Oder doch?

Eine Webseite, auf der sich Spammer regelmäßig austauschen, ist offline. Daran sind die Mitglieder selbst schuld und das wäre auch keine Meldung wert. Oder doch? Denn eigentlich dürfte das gar nicht geschrieben werden. Eigentlich weiß niemand, dass die Webseite, die im Vordergrund ganz ’normales’ Mail-Marketing anpreist, im Hintergrund mit einem rotzfrechen Spammer-Forum belegt ist. Was dahinter steckt ist so obskur, das man die Geschichte von vorne erzählen muss.
Seit die Welle von unerwünschten Werbemails immer häufiger auf den PC schwappt, sind nicht nur die ’normalen’ PC-Anwender überfordert, sondern offenbar auch die Urheber selbst. Und so haben sich mehr als 150 von ihnen auf einer Seite organisiert, die sich ’The Bulk Club’ nennt. Ein Operator, so das Online-Magazin Wired, beschrieb den Club wie folgt: “Der Club ist all denen gewidmet, die mit ernsthaft verantwortungsvollen Geschäftspraktiken arbeiten wollen. Die Seite soll unsaubere Taktiken aufzeigen und die benennen, die sich den Regeln widersetzen.” Manche wollten aber einfach nicht hören, redet er sich heraus.

So sieht es vorne herum aus. Hinten herum geht es zu wie in einer Selbsthilfegruppe. Sie informieren sich gegenseitig über Tipps und Tricks fürs richtige Spammen, tauschen Tools aus und kommunizieren in verschiedenen Foren. Sie benutzen in der Regel auch eine Art Kodex, der sie eigentlich für unautorisierte Personen unsichtbar macht. Sie akquirieren neue Mitglieder über Mundpropaganda. Sonst findet man sie schlichtweg nicht. Der Bulk Club ist auch erst jetzt durch einen unglücklichen Umstand aufgeflogen.

Ein Sicherheitsloch hatte eine Mitgliederliste im öffentlichen Teil der Webseite offen gelassen. Dort fand man eine Reihe namhafter Spammer wie Damon Decrescenzo, der gerade von Microsoft und AOL verklagt worden ist. Den Übeltätern auf die Schliche gekommen ist der Sicherheitsexperte einer dänischen Security-Firma und bekennender Antispam-Aktivist, Thor Larholm. Er hat daraufhin die Liste veröffentlicht und viele Spammer bloß gestellt.

Wodurch genau das Forum des Bulk Club den Betrieb einstellen musste, war nicht zu erfahren. Auf Mail-Nachfrage von Wired mutmaßte ein Webseiten-Operator, die Seite sei wohl gehackt worden. Die Auswirkungen auf das Business seien enorm. Die Konversation unter den Mitgliedern sei gestört und neue potenzielle Freunde könnten nicht von den bereits Beteiligten lernen. Es gibt ja noch andere Foren, die unter Spammern bekannt sind.