Offshore-Outsourcing macht den Deutschen Angst

Management

Deutsche Unternehmen sind weit weniger bereit zum Offshore-Outsourcing wie ihre US-Pendants. Mangelnde Aufklärung und liebe Gewohnheiten bremsen die Bereitschaft zum kostengünstigen Geschäft.

Offshore-Projekte in der IT sind für ihre kostensenkenden Eigenschaften bekannt. Aber die potentiellen Kunden, die deutschen Unternehmer, fürchten sich noch etwas vor einem solchen Schritt. Eine völlig unbegründete Furcht, übrigens. Das besagt zumindest eine Studie des Berliner Beratungsunternehmens Skilldeal AG, die die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen aus Deutschland und solchen aus Mittel- und Osteuropa im IT-Bereich untersucht. Hier kommen 247 IT-Dienstleister aus Mittel- und Osteuropa zu Wort, die für hiesige Kunden bereits Offshore-Projekte durchgeführt haben.
Und sie betonen, dass beispielsweise Offshore-Development für die Firmen aus dem europäischen Nachbarland eine sinnvolle, sichere und vor allem bereits oft erfolgreich praktizierte Möglichkeit sei. Timm Beyer, Vorstand der Skilldeal AG, erklärt hingegen nach eingehenden Interviews, dass augenblicklich wohl vielen deutschen Firmen das Geschäft mit dem Osten noch nicht wirklich geheuer ist. “Aus zahlreichen persönlichen Gesprächen mit deutschen Unternehmern wissen wir, dass sie den sich bietenden Möglichkeiten etwas verschlossen gegenüberstehen,” formuliert er. Langfristig soll sich dies jedoch durch mehr Aufklärung und ein Beseitigen der Kommunikationsprobleme ändern.

Der Untersuchung zufolge gebe es schließlich vor allem in Ungarn, Polen, Tschechien und Russland hochqualifizierte und wettbewerbsfähige Anbieter. Die Anbieter seien überwiegend der Meinung, dass die deutschen Unternehmen nur mangelhaft oder gerade noch ausreichend über die sich dort bietenden Möglichkeiten informiert seien. Nur 2 Prozent der Befragten halten die Kunden für sehr gut informiert.

Als entscheidendes Hemmnis für eine bessere geschäftliche Entwicklung betrachten die Mittel- und Osteuropäer das mangelnde Vertrauen, das ihnen die Deutschen entgegen bringen. Knapp ein Drittel der Befragten nennt Kommunikationsprobleme, und 36 Prozent von ihnen die Unwissenheit über die sich bietenden Möglichkeiten bei Offshore-Projekten als hauptsächliches Hindernis. Jedoch seien, so sagt ein Viertel der Manager, bereits schon einige Gespräche wegen Unstimmigkeiten bezüglich des Preises für die Projektarbeit gescheitert.

Sie selbst, so zitieren die Marktforscher von Skilldeal die befragten Manager weiter, sehen Deutschland als hochinteressanten Markt für ihre Dienstleistungen an, seien aber wegen der relativen Unbeweglichkeit der deutschen Entscheider bereits zur Selbsthilfe übergegangen. So bietet demnach eine ganze Anzahl von ihnen bereits griffige Testprojekte an, um ihre Leistungsfähigkeit schnell und einfach demonstrieren zu können.

Sprachliche Weiterbildung sämtlicher Mitarbeiter gehöre bei den Osteuropäern auch schon lange zum Standard. Sehr gute Englischkenntnisse könnten weitgehend als Standard angesehen werden. Über ausreichend professionelle Deutschkenntnisse verfügten etwa fünfzig Prozent der befragten Unternehmen, ähnlich verhalte es sich mit den Russischkenntnissen. Allerdings seien die Kundenunternehmen nach Erfahrung der Anbieter vergleichsweise selten bereit, ein Projekt komplett in englischer Sprache durchzuführen.

Mehr als 55 Prozent der Unternehmen haben bereits deutsche Kunden, allerdings haben auch knapp 55 Prozent der Unternehmen Kunden aus den USA. Obwohl Deutschland geographisch also als Nachbar zu bezeichnen ist, wird fast genauso viel Business mit den USA gemacht. Insgesamt zählen die Befragten Unternehmen aus allen westeuropäischen Ländern sowie den USA, Kanada, Australien, Israel und einigen asiatischen Ländern zu ihren Kunden.

Von der anstehenden EU-Osterweiterung versprechen sich mehr als 85 Prozent der Befragten mehr internationale Projekte. Allerdings befürchtet ein Drittel auch einen Anstieg der Lohnkosten. Mit der Gefahr der Auswanderung lokaler IT-Fachkräfte rechnen aber relativ wenige der Befragten: Nur etwa 15 Prozent befürchten hierdurch ein geistiges Ausbluten ihres Heimatlandes.