Mad Hatter: Sun spielt gegen Microsoft die Security-Karte

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Noch ist Suns Konzept des besseren Linux-Desktops verschwommen. Den Anwendern werden
jedenfalls mehr Sicherheit und weniger Kosten versprochen.

Drei Wochen vor dem offiziellen Start seines Linux-Dektops trommelt Sun Microsystems schon eifrig
für das, was bisher unter dem Namen ‘Mad Hatter’ bekannt ist. Ausdrücklich legt es der Hersteller auf
eine Konfrontation mit Microsoft an und präsentiert Prognosen von Gartner, wonach sich die “sichere
Office-Alternative” samt StarOffice in den kommenden beiden Jahren von 7 auf dann 10 Prozent
Marktanteil steigern soll. Sun-Chef Scott McNealy macht also wahr, was er vor Monaten angekündigt
hat: Lösungen auf Linux-Basis für den Low-end-Desktop. Die Aktivitäten werden mit großem
Interesse verfolgt weil Konkurrenten, Partner und Anwender darüber nachdenken, ob das Konzept
sich nicht doch auch im Unternehmensmarkt verfangen könnte.
Mad Hatter will Sun als “kombinierte Lösung” verstanden wissen: Darin enthalten ist die Suite
StarOffice, Suns Java-Technik, die Desktop-Umgebung Gnome und die ‘Sun-One’-Komponenten Mail,
Calendering und Instant Messaging. Außerdem werden die von Sun verwendeten Techniken für
Authentifizierung unterstützt.

Die Alternative zu Microsofts Office soll sich vor allem über den niedrigeren Preis hervortun. Sun
spielt unter dem Eindruck der kürzlich bekannt gewordenen Serie von Sicherheitslücken in
Windows-Betriebssystemen und -Anwendungen aber auch die Security-Karte: “Die aktuelle Virenflut
zeigt erneut auf, wie anfällig Microsoft-Produkte gegenüber Angriffen sind”, sagt Suns deutscher
Marketing-Direktor Martin Häring. “Linux oder StarOffice sind aufgrund ihrer Systemarchitektur davor
geschützt.”

Gerade das wird von vielen Sicherheitsspezialisten wie etwa Toralv Dirro von Network Associates
(NAI) bestritten. Denn mit einer größeren Linux-Verbreitung kämen auch die Viren, meint Dirro. Sun
kommt das Microsoft-spezifische Sicherheitsproblem dagegen mehr als gelegen. Dabei hat der
Hersteller die sonst üblichen Scheuklappen abgelegt und bietet sein StarOffice eben nicht nur für
Linux oder das eigene Solaris-Unix an, sondern auch für die Windows-Plattform.

Schon zuvor hatte Sun interessierte Anwender eingeladen, am “Projekt Mad Hatter”
mitzuarbeiten. “Speziell in Deutschland rechnen wir bei Mad Hatter mit einer hohen Marktakzeptanz.
Durch die Allianz mit SuSE kooperieren wir mit dem Anbieter des De-facto-Linux-Standards in
Deutschland”, erklärt Suns deutscher Produktmarketing-Chef Gerhard Schlabschi. “Mit Mad Hatter
haben wir einen vollständig integrierten Linux-Desktop für Unternehmen, der im Vergleich zu
traditionellen Lösungen ein hohes Einsparungspotenzial bietet.”

“Mad Hatter wird Desktop-Computing neu definieren und wirtschaftlicher sein”, meint Jonathan
Schwartz, Suns Vice President für Software. Java und Linux zusammen könnten Netzwerk-Computing
ein ganzes Stück voranbringen – und da sieht sich Sun im Vorteil. Bisher ist die Mad-Hatter-Idee den
Kunden aber offenbar noch so fremd, dass noch ein ganz anderes Argument herhalten muss:
StarOffice soll einen entscheidenden Zeitvorsprung vor Microsofts neuer Office-Version ausspielen –
denn es wird einen ganzen Monat früher vorgestellt.