SCO will Rechnungen an Linux-Anwender schicken

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Nachdem SCO vergangenen Monat die Tarife für die Nutzung von Linux festgelegt hatte, soll nun das Inkasso beginnen – als Absolution gegen Lizenzverstöße.

Nachdem SCO vergangenen Monat die Tarife für die Nutzung von Linux festgelegt hatte, soll nun auch das Inkasso beginnen. Wie ein Sprecher von SCO gegenüber US-Medien bestätigte, beabsichtigt das angeschlagene Unternehmen, im Laufe dieses Monats an große Anwender des Open-Source-Betriebssystems Rechnungen zu verschicken.
Durch die Zahlung von 699 Dollar pro Server-Lizenz hätten die adressierten Firmen dann die Gelegenheit, künftigen rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen. Bereits letzten Monat bei der Ankündigung der Gebühren hatte SCO-Chef Darl McBride Linux-Anwendern auf diesem Wege die Absolution angeboten.

Rechtsexperten und Analysten bezweifeln allerdings stark, dass die Aussendung von Rechnungen etwas mehr bewirken würde als die Präsentation von ‘Beweisen‘ über die Verletzung der Unix-Lizenz durch IBM und die Open-Source-Gemeinde vor zwei Wochen. Die Veröffentlichung von ‘geklauten‘ Programmzeilen sorgte eher für Spott und Gelächter als für Sorgen unter Linux-Nutzern. Nach einhelliger Meinung von Experten waren die betroffenen Programmzeilen durch Lizenzen aus den siebziger Jahren abgedeckt.

Zudem könnte sich SCO durch die Rechnungsstellung weitere Gegenklagen und einstweilige Verfügungen einhandeln. So geschehen letzten Freitag im Verfahren, das die deutsche LinuxTag e.V. gegen die SCO GmbH angestrebt hatte. Der Verband hatte eine einstweilige Verfügung erwirkt, in der SCO untersagt wurde “zu behaupten, dass die Software Linux unrechtmäßig erworbenes geistiges Eigentum von SCO beinhalte.”

Obendrauf wurde SCO zu einem Ordnungsgeld von 10.000 Euro verdonnert. Das Gericht stellte “fahrlässiges Verhalten” beim Betrieb der SCO-Homepage fest, auf der auch nach der einstweiligen Verfügung die Behauptung zu lesen war, dass “Endanwender, die die Software Linux einsetzen, für Schutzverletzungen des geistigen Eigentums von SCO haftbar gemacht werden können.” Nicht auszuschließen, dass zumindest in Deutschland die Rechnungsstellung ähnliche Urteile provozieren könnte.

Dennoch scheint die Kontroverse um die Rechte an Linux die Anwendergemeinde zunehmend zu verunsichern. Michael Dell, Gründer und CEO von Dell Computer, bestätigte dies gestern in seiner Keynote-Rede auf einem Investorenkongress in New York. Demnach hätten sich die Linux-Aktivitäten insbesondere bei Großunternehmen durch die Auseinandersetzung verlangsamt. Einige seiner Großkunden hätten sogar um eine Haftungsfreistellung gebeten, sollte SCO sie verklagen. Das Unternehmen lehnt eine solche Freistellung ab, bleibt aber bei seinen Absichten, Linux durch die Aufnahme von Support-Dienstleistungen in sein Portfolio stärker zu pushen.