silicon.de-Leser wollen Geld sehen – von Spammern

Management

Während die Gesetzeshüter noch für uns alle nach Rettung vor dem Ertrinken in der Spam-Flut suchen, haben die Nutzer schon längst ihre Theorien dazu auf Tauglichkeit überprüft. Nun wartet die Welt auf eine technische Umsetzung.

Spamming ist längst zur Epidemie geworden und verleidet bereits Erst-Nutzern den E-Mail-Verkehr an sich. Leser von silicon.de aus verschiedenen technischen Bereichen haben uns geschrieben, wie sie gegen die Spamflut vorgehen würden oder was sie an der gestern hier vorgestellten Idee des US-Amerikaners Jonathan Rauch nämlich die Spammer für das Absetzen von Mails bezahlen zu lassen, eventuell vermissen.
Bernd P. arbeitet in einem Rechenzentrum in Bayern und meint, der Gedanke, dass bei solchem Vorgehen zumindest die fürs Wegklicken und Löschen aufgewendete Arbeitszeit bezahlt wäre, sei “blanker Unsinn.” Er sagt: “Den Zeitverlust ersetzt einem niemand. Auch wenn es vielleicht Geld bringt, es bringt aber in keinem Fall einen Produktivitätsgewinn.”

Er ist sich sicher: “Einen Mail-überfüllten Rechner, beziehungsweise eine solche Mailbox, hat man damit wohl weiterhin.” Allerdings kann er sich vorstellen, dass Spam aus den eher schlüpfrigen Bereichen hoch tarifiert werden sollte. Er empfiehlt: “Jede gute Filtertechnik, die am besten noch Fake-Errors an die Absender generiert, um sich das Zeug zukünftig vom Leib zu halten, inklusive dem Schutz von Mailadressen auf Webseiten durch entsprechende No-Robots-Tags ist besser, als das Zeug mit eigenem Zeitaufwand zu eliminieren. Es gibt nützlicheren Gebrauch von Bandbreite.”

Frank R. und Franz S. sind sich einig: “Die Idee Eintritt zu verlangen ist nicht schlecht.” Sie sind der Meinung, dass finanzielle Einbußen genügen könnten, so manchen Spammer abzuschrecken. Denn: “Am Geldbeutel tut es ihnen wohl am meisten weh.”

Dieser Meinung ist auch Ingo B., “sofern der Mailboxbesitzer für einzelne Adressen beziehungsweise Domains die Gebühren deaktivieren kann.” Allerdings befürchtet er, dass eine Art Erziehungseffekt eintreten könnte und Spammer für eine gezieltere Massen-Versendung dazu übergehen könnten, noch genauere Daten zu erheben. “Ähnlich wie bei der Werbung per Post.”

Er kann sich folgendes vorstellen: “Einfacher, da meiner Meinung nach weniger Verwaltungsaufwand nötig ist, wäre es, wenn Firmen wie Yahoo, GMX oder ähnliche die Menge an Mails pro Zeiteinheit stark begrenzen und zusätzlich das massenweise Anlegen von Mail-Accounts beschränken würden. Dies vielleicht ähnlich wie bei freien SMS-Seiten auf denen man sich mittels der Telefonnummer registrieren kann und dann nur ein Kontingent von einer bestimmten Anzahl SMS pro Tag zugeteilt bekommt.”

Firmen die “echte” Newsletter versenden, so schreibt er weiter, bewerkstelligten dies sowieso über eigene Domains, die dann im Zweifelsfall vom Empfänger gesperrt werden können. Für ein effektives Filtering merkt er an: “Schwierig sind ja nur solche Mails mit einer Zeichensetzung wie xyz12349@yahoo und soweiter,da diese ständig wechseln und der Anwender solche Domains nicht sperren will, weil dort vielleicht auch Freunde und Bekannte eine Adresse haben.”

Jochen Diebel ist beim I.D.I. Interessenverband Deutsches Internet e.V. tätig und Treuhänder von Schutzlisten für Mail/Telefon/SMS. Er bezweifelt die Realisierbarkeit der kostenpflichtigen Eintrittskarte für Spammer und schreibt: “Die Grundidee mag sich ja recht nett anhören – wer aber kassiert die Gebühr, wie wird bestätigt, dass sie auch gezahlt wurde und wo bleibt die Idee von der Freiheit des Internets?” Seiner Ansicht nach sind eher Technik und bessere Sende-/Empfangsprotokolle gefragt.

Diebel weiter: “Es existieren schon jetzt Lösungen für eine individuell orientierte Spam-Abwehr ohne allgemeine Blacklists wie MAILCIRCUIT.COM in den USA oder MAYL.DE in Deutschland, bei denen es sich nicht mehr lohnt, sie zu bespammen. Sie lösen allerdings noch nicht sofort das Problem des enormen Traffics mit unerwünschten Mails.” Er gibt zu bedenken, dass auch Gesetze einen professionellen Spammer kaum hindern können, mit verdeckter oder gefälschter URL zu spammen. Er fragt: “Und wie an ihn rankommen, wenn er auf den Kaiman-Inseln oder sonstwo sitzt, wo man ihn deckt? Solche Orte wird es immer geben.” So resümiert der Internet-Profi: “Hier hat sich eine 20 Jahre alte Technik einfach überlebt. Und sie muss durch eine bessere ersetzt werden.”

Jochen W. ist bei einer Agentur tätig und hält dagegen sehr viel von Rauchs Ideen: “Tja, zum Spam-Gegenschlag hatte ich bereits im Mai ähnliche Gedanken ausgefeilt. Ich hatte sie damals dem W3C Consortium geschickt in der Hoffnung, dass diese die Ideen vielleicht weiterleiten können an Nutzer, die sie umsetzen könnten.”

Seine Anti-Spam-Gedanken gehen in die folgende Richtung: Mails sollten grundsätzlich Geld kosten, sehr wenig, aber immerhin im Vergleich zum Vorbildmodell bei postalischen Sendungen vielleicht einen Euro-Cent. Und durch eine einfache Funktionalität auf dem SMTP- oder POP/IMAP-Protokoll könnten Prozesse festgelegt werden, die ein Ablegen einer Mail nur noch dann erlauben, wenn sie autorisiert ist. Dies geschieht jedoch schon.

Neu ist bei Jochen W., so schreibt er, dass eine Art Whitelist angelegt werden solle und die Software auf dem Server jeden automatisiert zur Kasse bitten solle, der nicht auf dieser Liste der erwünschten Mailer steht. Per Micropayment kann er sich die Bezahlung vorstellen. Allerdings ist auch er sich nicht sicher, ob von Seiten der Industrie überhaupt in diese Richtung gedacht wird und so bat er eben das W3C, jemanden zu finden, der zunächst einmal eine solche Software programmiert, die sowohl die Whitelist, als auch die Bezahlweise beherrscht und E-Mails automatisch an den Spammer … naja: “Return to Sender” eben.