Microsofts Preispolitik bröckelt

Management

Microsoft senkt seine Preise für Entwicklertools in China. Der Softwaregigant beugt sich dem Druck von Raubkopien und Linux und ändert seine Preispolitik.

Der asiatische Markt wird für Softwaregigant Microsoft immer mehr zur Problemzone. Software-Piraten und die Open-Source-Bewegung setzen den Weltmarktführer massiv unter Druck. Der Konzern will deshalb jetzt mit seiner jahrelangen rigiden Preispolitik brechen und die Preisgestaltung für seiner Produkte regional anpassen. Bis dato galten weltweit die in Redmond festgesetzten Dollarpreise.
Nach den Worten von General Manager Martin Taylor will Microsoft seine Preise künftig nach der ‘Big-Mac-Formel’ berechnen: “Wieviel kostet ein Big Mac in Indien im Vergleich zu New York oder zu Taipeh, und wie lässt sich dieser ‘Big-Mac-Index’ auf Software abbilden?” In den kommenden Monaten werde Microsoft deshalb einige neue Optionen verkünden, um Entwicklungs- und Schwellenländern entgegenzukommen, erklärte Taylor gegenüber US-Medien.

Ähnlich äußerte sich auch Colin Png, Microsoft Director für Asien und den gesamtchinesischen Raum. “Es ist sinnlos über unsere Technologie zu reden, wenn sie sich niemand leisten kann. Wir wollen einige unserer Software-Produkte leichter zugänglich machen.” Bereits in den nächsten zwei bis drei Monaten sollen die Preise purzeln und es wird erwartet, dass die neue Preisgestaltung auch Produkte wie Windows oder Office erfassen wird.

Zunächst bedeutet das, dass für China, Indonesien, Vietnam und Thailand die Preise für die Entwicklerplattform Visual Studio.Net gesenkt werden. Die 499 Dollar für die Einsteigerversion seien zu teuer, sagte Png. Für einen begrenzen Zeitraum soll es deshalb jetzt kostenlose Testversionen der Software geben, mit der Entwickler Anwendungen in mehr als zwei Dutzend Sprachen kreieren können. An Informatik-Studenten werde man das Entwicklerwerkzeug zudem “fast gratis” abgeben, so Png.
Der bislang einzigartige Plan ist Teil von Microsofts Anstrengungen, unabhängige asiatischen Entwickler zu besiegen. Bei der internationalen Verbreitung von Software-Raubkopien spielen sie eine entscheidende Rolle.

Und die Pläne in Redmond gehen offenbar noch weiter, auch wenn Martin Taylor keine Details nennen wollte. “Wir haben mit der Arbeit an einigen Initiativen begonnen, die wir in den kommenden Monaten vorstellen werden”. Bereits in den vergangenen Monaten hatte Microsoft einigen ausländischen Regierungen eine Reihe von Zugeständnissen gemacht. Gerade in Asien steht der Softwaregigant unter dem Druck der Open-Source-Bewegung. Immer mehr Länder entdecken Linux dort als eine günstige Alternative für ihre Regierungsbehörden.

Um dem etwas entgegenzusetzen, hatte Microsoft vor kurzem der thailändischen Regierung eine abgespeckte Version seines Windows XP-Betriebssystems und der Office-Suite zur Verfügung gestellt. Da Microsoft in diesem Fall eine maßgeschneiderte ‘Light’-Version entwickelte, war das aber noch kein offizielles Abrücken von der Preispolitik. Experten hatten jedoch nach diesem Schritt erwartet, dass Rabatte für ärmere Länder nicht mehr lange auf sich warten lassen – die jüngsten Ankündigungen haben ihnen Recht gegeben.

Gleichzeitig rückt die Open-Source-Bewegungen Microsoft aber auch in Europa immer mehr auf den Pelz und zwingt das Unternehmen zu Zugeständnissen. Die britische Regierung hat nach eigenen Angaben Millionen US-Dollar gespart, indem sie mit einem Wechsel zu Linux gedroht hatte. Die britische Gesundheitsbehörde NHS hatte öffentlich über einen Linux-Einsatz nachgedacht und damit Bill Gates persönlich auf den Plan gerufen. Doch er kann längst nicht mehr überall überzeugen. Die Stadt München wird ihre 14.000 PCs auf Linux umrüsten, Regierungen von Austin/ Texas bis Korea haben ähnliche Projekte in Gang gebracht.

Dabei machen Regierungsaufträge eigentlich weniger als 10 Prozent von Microsofts Gesamtgeschäft aus. Doch laut Analysten hat sich der Bereich zum Hauptschauplatz im Kampf gegen Linux entwickelt. Gerade der asiatische Raum lockt mit einem boomenden Geschäftspotential. Der Markt mit Software-Entwicklertools zum Beispiel werde sich dort in den kommenden Jahren rapide vergrößern. Das Marktforschungsinstitut IDC rechnet bis 2007 mit einem Anstieg von derzeit 340 Millionen auf knapp 540 Millionen US-Dollar. Zur Zeit ist ein Drittel dieses Marktes in der Hand von Microsoft.