Oracle wirft Grid-Datenbank gegen IBM und HP

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Ein Novum: Grid ohne den Anspruch, heterogene Landschaften zu bedienen. Aber für den Mittelstand
reicht das, wenn man Oracle glauben will

Noch vor Jahreswechsel soll sie verfügbar sein: Die neue Datenbank-Software von Oracle. Hinter
dem Namen ’10g’ verbirgt sich dem Konzern zufolge das neue Flaggschiffprodukt, das mit extra
Grid-Funktionen ausgestattet den IT-Leitern den Alltag erleichtern soll. Zusatz-Software wie der ’10g
Application Server’ und ’10g Enterprise Manager’ sollen hierbei assistieren. Das gab der Konzern auf
seiner Jahres-Händlermesse in San Fransisco bekannt.
10g, wobei das “g” für Grid steht ähnlich wie bei “9i” das kleine “i” für Internet und die
entsprechenden Funktionalitäten der Software, soll unternehmensinterne Grids einfacher machen. Als
voll integrierte Grid-Software soll sie die Infrastruktur der Kunden revolutionieren, indem sie Zeit und
Administrationsaufwand durch die Grid-übliche einheitliche Verwaltungsoberfläche sparen soll.

IDC-Analysten wie Carl Olofson, Program Director for Information and Data Management
Software Research, applaudieren bereits. Er sagt: “Oracle 10g stellt einen großen Schritt nach vorne
dar, weil es neue selbstverwaltende Funktionen, die die statistischen Zahlengebilde zu automatisieren
helfen, und außerdem Hilfen für automatisiertes Instance Tuning, Speicher-Anpassung und weitere
Funktionen mitbringt. Den Kunden dabei zu helfen, ihre täglichen und routineartigen
Administrationsaufgaben zu automatisieren, reduziert den Management-Aufwand ganz erheblich, und
das wiederum kann zu einer Kosteneinsparung und effektiverer Datenbankarbeit beitragen.”

Erste Kritiker sprechen zwar davon, dass die Grid-Funktionen bereits in anderen Produkten
besser und hochperformanter gesehen worden seien – dennoch ist sich Bob Shimp, Vice President
Platform Marketing bei Oracle sicher, dass Oracle im Gegensatz zu Grid-Pionieren wie
Hewlett-Packard (HP) und IBM – mitunter auch wegen der eingebauten Linux-Funktionalitäten –
schneller ans Ziel komme als die Konkurrenz. Er sagt gegenüber US-Medien: “Die Konkurrenz wird
im Gegensatz zu 10g an die fünf bis zehn Jahre benötigen, um Vergleichbares auf die Beine zu
stellen.”

Grid-Computing nahezu ‘Out of the Box’ gebe es hingegen bei Oracle zu erstehen. Besondere
Beratung und Implementierungshilfen seien unnötig. Das zielt auf die großen Systeme von HP und
IBM ab, die die Interoperabilität in heterogenen Landschaften gewährleisten wollen. Bei Shimp klingt
das so: “Wir treten gar nicht an, selbst ein Grid für alle möglichen heterogenen Landschaften des
Universums, vom Mainframe bis hin zum Desktop, bauen zu wollen; es gibt da durchaus
Unternehmen mit größeren Visionen in dieser Richtung. Aber unserer Ansicht nach ist das alles Jahre
entfernt.” Er setzt zum Gegenschlag gegen die beiden Großen mit ihren beeindruckenden
Großkundenlisten an und sagt: “Es gibt so viele Hersteller dort draußen, die ständig von ‘On-Demand’
hier und ‘Adaptive’ dort reden.” So sieht er einen Vorteil darin, dass es vor allem kleine und
mittelständische Unternehmen sein werden, die seiner Meinung nach zu 10g greifen werden.

Von IBM, Bea und Microsoft, die dem Datenbankkönig immer noch im Bereich der
Application-Server Marktanteile streitig machen, sagte er mit Blick auf den 10g Application Server:
“Die sind in den 60er Jahren stecken geblieben.”