Linux-Welle schwappt in pfälzische Amtstuben

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Von einer bundesweiten Signalwirkung war die Rede, als sich die Stadt München für eine Linux-Infrastruktur entschied. Die Prognose scheint sich zu bewahrheiten.

Nach der Grundsatzentscheidung des Münchner Stadtrats, die Verwaltungs-IT in Zukunft auf eine Linux-Basis zu stellen, befassen sich nun auch weitere Städte mit ähnlichen Plänen. In Mainz kamen zu Beginn der Woche Vertreter von neun der elf größten Städte des Bundeslandes zu einem Treffen zusammen, um über die Einsatzmöglichkeiten freier Software zu beraten.
Wie der Nachrichtendienst ‘Pro-Linux’ berichtet, ist dabei auch eine Entscheidungsmatrix aufgestellt worden, mit deren Hilfe die Stadtverwaltungen ihre sehr unterschiedlichen Strukturen selbst bewerten können sollen. Interessiert sind zunächst Alzey, Kaiserslautern, Koblenz, Landau, Mainz, Neustadt/Weinstraße, Speyer, Trier und Worms. Koblenz und Ludwigshafen fehlen bislang noch. Der rheinland-pfälzische Städtetag hat sich ebenfalls eingeschaltet und will mit den Kommunalvertretern über Linux-Modelle beraten.

In Rheinland-Pfalz laufen im kommenden Jahr wie auch in München die Großabnehmer-Lizenzverträge der Kommunen mit Microsoft aus. Der Support für Windows NT 4.0 wurde bereits eingestellt, sodass ältere Infrastrukturen ohnehin in absehbarer Zeit erneuert werden müssten.

Bisher hat vor allem die Stadtverwaltung im baden-württembergischen Schwäbisch-Hall mit einer Migration seiner PC-Infrastruktur auf das Open-Source-Betriebssystem von sich reden gemacht. Die Vorbehalte sind trotz der Lizenzfreiheit enorm groß. Vor allem der kostenintensive Schulungsaufwand für die Anwender wird in vielen Verwaltungen als Hindernis gesehen. Linux auf dem Server ist auch in Behörden keine Seltenheit. Auf dem Desktop dagegen muss man das Betriebssystem noch suchen.

Mit einem umfangreichen Projekt beeindruckt jetzt die Landespolizei in Niedersachen. Während es in München um rund 14.000 Clients gehen wird, wurden dort immerhin 11.000 Linux-PCs bereits in Betrieb genommen. Nach Angaben des zuständigen Beraters Mummert Consulting entstand in zweijähriger Projektarbeit die bisher “größte Linux-Realisierung in Deutschland”.

Die niedersächsische Polizei setzt auf den Clients hauptsächlich ihr zentrales Erfassungssystem ‘Nivadis’ ein. Damit werden amtliche Vorgänge bearbeitet und verfolgt, die Polizeiarbeit insgesamt analysiert und dokumentiert. Abfragen von Ermittlungsdaten sollen wesentlich vereinfacht werden. Weil mit der Anwendung auf Linux-Basis insgesamt 23 alte Programme abgelöst werden könne, werde die Polizeiarbeit in Zukunft deutlich effizienter, heißt es.

Die am Projekt beteiligten nennen neben der höheren Stabilität und Kostenvorteilen einen weiteren wichtigen Grund für die Entscheidung zugunsten von Linux; Spätestens wenn auch elektronische Personenakten und europaweite Fahndungsdaten in Nivadis integriert werden sollen, müsse sichergestellt werden, dass Zugriffsrechte sauber getrennt werden können. Das sei aber nur dann gewährleistet, wenn die Anwendung ihrerseits sauber vom Betriebssystem getrennt werden könne. Die Microsoft-Architektur könne das nicht bieten, heißt es aus Hannover.

Bisher klagten die Beamten in grün vor allem über Medienbrüche, Doppelerfassungen und eine schwierige, wenn nicht gar unmögliche Datenmigration. Deshalb wird der bisherigen Anwendung wohl niemand eine Träne nachweinen, obwohl sie einen besonders treffenden Namen tragen durfte: Mikado.