Warum die Sozis sich immer so verrechnen

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Nicht nur in Bayern. Dort ist die CSU jetzt ja so stark, dass sie die Verfassung ändern könnte. Aber der Bayer ist sich da gewiss: So bleed san’s neet. Warum sollte man auch eine Verfassung ändern, die einem eine 2/3-Mehrheit beschert hat?

Nicht nur in Bayern. Dort ist die CSU jetzt ja so stark, dass sie die Verfassung ändern könnte. Aber der Bayer ist sich da gewiss: So bleed san’s neet. Warum sollte man auch eine Verfassung ändern, die einem eine 2/3-Mehrheit beschert hat?
Und die weiß-blauen Sozialdemokraten haben sich wieder mal als echte Dot.com-Partei erwiesen: Man wundert sich, dass jemand, der so wenig hat, trotzdem so viel verlieren kann.

Die SPD präsentiert sich ja eh in jüngster Zeit als der genauso matte wie organisierte Versuch, für die eigene Existenz um Verzeihung zu bitten. Wobei der Wähler da allerdings kein Pardon gibt. Aber irgendwann löst sich das Problem von selbst. Schließlich wird die mit der sozialdemokratischen Existenz verbundene Schuld von Wahltag zu Wahltag geringer.

In anderen High-Tech-Ländern geht’s allerdings politisch ähnlich eigenwillig zu: in Taiwan beispielsweise. Da stehen die weltgrößten Auftragsfertiger für Halbleiter und die meiste Computer-Peripherie kommt von dort. In Taiwan wurde die Kuomintang lange mit genau so guten Ergebnissen gewählt wie die CSU in Bayern. Obwohl die ja auch nicht gerade als Erfinderin der Demokratie gilt – die Kuomintang.

Oder Japan: Dort ist eigentlich immer die LDP dran – unterbrochen lediglich durch die Wirren der Jahre 1993 bis 96, als sich alle möglichen Splitterparteien zusammentaten, um die per Gewohnheitsrecht Regierenden für kurze Zeit von den Schalthebeln der Macht fernzuhalten. Sowas gab’s im Freistaat auch schon mal – 1954 bis 57. Damals hatte der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner zusammen mit Bayernpartei, FDP und dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten die sogenannte Viererkoalition gezimmert.

Oder Kalifornien. Dessen nächster Gouverneur heißt mit Sicherheit Arnold Schwarzenegger. Und der käme ja wohl auch gut mit den Methoden der innerparteilichen Willensbildung in der CSU zurecht. “Ausraufen” heißt der Fachbegriff dafür in der Landessprache.

Aber Bayern ist anders. Den Freistaat proklamiert hat seinerzeit der Sozialist Kurt Eisner, seine Nachkriegsverfassung geschrieben eben jener Wilhelm Hoegner. Und der war, obwohl von der SPD, gleich zwei Mal Ministerpräsident. Bayern ist also ein durch und durch sozialdemokratisch geprägtes Land. Wirklich!

Da stellt sich natürlich die Frage, warum die Partei, deren offizielles Organ “Vorwärts!” heißt, in dem von ihr verantworteten Freistaat nur noch eine Richtung kennt: abwärts. Die Antwort ist einfach: “Laptop und Lederhose” – das kriegen die Sozis einfach nicht auf die Reihe.

Das Problem ist dabei weniger die Lederhose. Derzeit ist ja gerade wieder Wies’n. Und da laufen eigentlich alle Landtagsabgeordneten mit der Hirschledernen herum – auch die paar wenigen mit dem karrierehemmenden Parteibuch, die’s noch gibt. Nein, das mit dem Laptop kriegen die Sozen nicht hin. Die SPD ist einfach noch nicht in der Informationsgesellschaft angekommen.

Deren grundlegendes Prinzip nämlich ist die binäre Logik. Die kennt zwei Zustände: null und eins, Strom oder keinen Strom. Beides ist in Ordnung. Damit kann man rechnen.

Zur Katastrophe kommt’s nur dann, wenn man nicht erkennen kann, ob es sich bei einem Signal jetzt um eine Null oder eine Eins handeln soll. Dann müssen aufwändige Error-Correction-Routinen gestartet werden. Und wenn man sich den Tort nicht dauernd antun will, dann ist man gut beraten, das Teil, von dem die verrauschten Signale stammen, auszutauschen.

Auf die Politik übertragen, heißt das: rot oder schwarz. Zur Spezifikation: Die Roten sind die, die wollen, dass Arbeitsmänner und -frauen auch mitschnabeln dürfen. Mitbestimmung nennen sie das. Und für gute Löhne sind sie und für Sozialleistungen.

Die aktuelle Version der Spezifikation von schwarz stammt von Hans-Olav Henkel, als der nämlich Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland war, da hatte er viel Zeit. Seine Leute im Labor in Böblingen arbeiteten an CMOS-basierten Mainframes und legten damit die Grundlage für IBMs heutiges Monopol auf dem Gebiet – Marktführerschaft made in Germany.

Das ließ dem Chef genügend Freiraum und Muße, um das Problem vom Standort Deutschland zu erfinden. Mitbestimmung wird in dieser Spezifikation als mangelnde Flexibilität definiert. Und statt Sozialleistungen sieht die Nomenklatur den Begriff “Lohnnebenkosten” vor. Das ist schwarz.

Null oder eins. Rot oder schwarz. Die Leute in Deutschland wählen meistens schwarz. Vor ein paar Jahren aber haben sie einmal rot genommen. Und seitdem stimmt nichts mehr im System. Die Signale sind völlig verrauscht.

Das Problem ist dabei rot. Rot ist weder Strom, noch kein Strom. Rot ist eigentlich nur noch Leckstrom. So kann man natürlich nicht rechnen. Und vor allem für die Sozis in Bayern rechnet sich sowas nicht.

Da trifft es sich gut, dass jetzt wieder Wies’n ist. Die nämlich ist nicht binär, sondern die funktioniert nach einer sehr robusten Tripple-Step-Logic: “Oans, zwoa …” Und was dann kommt, das hilft den Sozis vielleicht, ihr Wahlergebnis zu vergessen.

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