IBMs Storage Tank könnte mehr können

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Das Warten hat ein Ende. IBM präsentiert sein File System, das schon lange kein Geheimnis mehr war. Eines überrascht trotzdem: Man hatte sich mehr Weitblick erhofft.

Seit etwa fünf Jahren quält sich IBM mit dem Storage Tank. Jetzt ist er da, das alles überblickende File System. Viel Pulver ist zwar drin, aber die Hälfte davon ist wohl noch nass. Größter Kritikpunkt: Das angeblich heterogene Management der Daten ist nicht plattformunabhängig, sondern beschränkt sich auf IBMs AIX- und Windows-Umgebungen.
Dabei hätte der in der Basisversion 90.000 Dollar teure ‘Megaserver’ ein richtiger Knaller werden können. Trotz langer Entwicklungszeit und vielen Verzögerungen, was den Hersteller ebenso wie die Lösung in keinem guten Licht erscheinen lässt, packt er Speicherprobleme an der richtigen Stelle an. Große Unternehmen mit vielen verteilten Systemen haben es sehr schwer, ihre Daten überall verfügbar zu halten. Selten weiß man auch, wo genau eine Datei gespeichert ist, das heißt, ob am ‘eigenen’ Standort oder woanders. Sie schnell zu finden und zudem noch darauf zugreifen zu können, das ist die Kunst.

Der Storage Tank oder wie er nun offiziell heißt, SAN File System (SAN FS), lässt das gesamte Speichernetz aussehen wie ein lokales Netzwerk. Zentral soll der Kontrollpunkt sein für alle Prozesse, den die Daten durchlaufen. Statt ein File-System auf jedem SAN-gekoppelten Server installieren zu müssen, sitzt SAN FS auf einem Metaserver, der Out-of-Band läuft. Keine Dateien müssen den Server selbst passieren. Und doch kann der Tank jede Information von jeglicher Anwendung auf irgend einem Server ablegen, der Speicherreserven zur Verfügung hat.

Soll eine Datei an einem speziellen Ort abgelegt werden, kann der Admin dafür Regeln, sogenannte Policies, definieren. Der große Vorteil der Lösung ist es (oder besser: wäre es, wenn der Tank wirklich heterogen funktionierte, so dass verteilt verfügbare Speicher-Ressourcen von jedem Server aus anvisiert und belegt werden können. Hinzu kommt, dass die Reserven jedem Server im System zugewiesen werden können, unabhängig davon, an welchem Standort der Server implementiert ist.

Das sind in der Tat alles Punkte, die dem IT-Manager das Verwaltungsleben erleichtern könnten. Dazu kommen noch erwähnenswerte Loadbalancing- und Failover-Funktionen, die bei Engpässen aushelfen und die Gefahr eines Datengaus minimieren. Bislang muss der Admin noch auf jedem Server einen Agenten installieren, der sich dann mit dem FS in Verbindung setzt. IBM hofft allerdings auf einen Schnittstellenstandard, der in die Betriebssysteme integriert ist und die einzelne Installation überflüssig macht.

Leider hat es IBM aber wie gesagt nicht geschafft, eine echte heterogene Lösung zu schaffen. Nach Angaben des Hersteller soll die Unterstützung für andere Betriebssysteme im kommenden Jahr folgen. Ob das jemand tatsächlich ernst nimmt und 2004 bei IBM auf der Matte steht, um Linux-Support zu beziehen, bleibt abzuwarten, denn niemand weiß, welche Betriebssysteme dann unterstützt werden. IBM hat diesen Punkt noch offen gelassen.

Noch im Mai dieses Jahres musste IBM zugeben das Konzept Storage Tank noch nicht zu Ende gedacht zu haben. Jetzt ist man sicherlich ein Stück weiter, aber das Pulver muss noch weiter trockenen, um es verschießen zu können.