Kartell-Showdown in Brüssel: EU sieht sich auch XP an

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Zu Beginn der letzten, dreitägigen Anhörung im Kartellverfahren der Europäischen Kommission gegen den amerikanischen Softwarekonzern Microsoft ist keine Kompromisslösung in Sicht.

Zu Beginn der letzten, dreitägigen Anhörung im Kartellverfahren der Europäischen Kommission gegen den amerikanischen Softwarekonzern Microsoft ist keine Kompromisslösung in Sicht. Wettbewerbskommissar Mario Monti will neuesten Berichten zufolge weiterhin argumentieren, dass Microsoft gegen europäisches Kartellrecht verstoßen habe.
Größter Streitpunkt ist der Media Player, mit dem Videos und Musik abgespielt werden können. Microsoft hat das Tool in sein Betriebssystem integriert und muss sich nun vorwerfen lassen, keinen Platz mehr für die Konkurrenz zu lassen, allen voran Real Networks mit ihrem Real Player und Apple mit Quicktime.

Allerdings geht es seitens der EU beim Streit längst nicht nur um den Media Player. Monti hat daneben Ermittlungen angestellt, was die Version XP des Betriebssystems betrifft. Auch hier vermutet die EU die Ausnutzung der Monopolstellung, weil Microsoft zusätzliche Software-Tools in das OS integriert hat und auf diese Weise Mitbewerbern das Wasser abzugraben versucht.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, muss der Konzern mit einer Milliardenstrafe rechnen, die zehn Prozent des weltweiten Unternehmensumsatzes ausmachen könnte – 3,2 Milliarden Dollar. Das wäre die höchste je von der Kommission verhängte Geldbuße. Ein großer Schritt wäre es, wenn die Redmonder den Player aus dem OS entfernen müssten. Das würde aber gleichzeitig eine Abkehr der lange gefahrenen Strategie bedeuten, Rivalen mit letztlich kostenlosen zusätzlichen integrierten Tools aus dem Rennen zu werfen.

Doch die Redmonder werden wohl nicht von ihrem Standpunkt abweichen, weiß die Financial Times Deutschland zu berichten. Die Kartellvorwürfe seien unhaltbar, wonach Microsoft seine Stellung ausgenutzt habe, um Mitbewerber aus dem Geschäft zu drängen. Drei Jahre dauert inzwischen der Streit zwischen dem Konzern und der EU und beinhaltet Vorwürfe, die das mittlerweile abgeschlossene Verfahren in den USA gegen das Unternehmen nicht abdeckt. Dort konnte sich der Konzern mit dem Justizministerium gütlich einigen.

Brad Smith, Chief Consul bei Microsoft, ist sich sicher, dass “wir auch in Europa zu einer Einigung kommen werden”, sagte er dem Wall Street Journal. Allerdings muss sich der Hersteller nicht nur von der EU Kritik anhören. Auch vom Branchenverband ‘Computer and Communications Industry Association’ (CCIA) kommen harte Worte. Der in den USA ansässige Verband bestehend aus Software-Herstellern, Telekommunikations- und Elektronikfirmen fordert harte Auflagen, ohne die eine Beilegung der Auseinandersetzung nicht möglich sei.

Die Anhörung ist auf drei Tage angesetzt und ist die letzte Möglichkeit für Microsoft, die eigenen Argumente vorzutragen. Voraussichtlich im kommenden Frühjahr wird Monti eine Entscheidung treffen. Im schlimmsten Fall kommt eine saftige Geldstrafe auf die Redmonder zu. Außerdem könnte es sein, dass Microsoft seine globale Strategie zur Unterbringung seiner Tools neu überdenken muss.