IBM verspricht weltweiten Support für Linux auf dem Desktop

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Die IBM-Pläne für Linux auf dem Desktop werden immer konkreter. Aber auch das Open Source Development Lab (OSDL) macht Pläne für eine gesonderte Desktop-Arbeitsgruppe.

Die IBM-Pläne für Linux auf dem Desktop werden immer konkreter. Aber auch das Open Source Development Lab (OSDL) macht Pläne für eine gesonderte Desktop-Arbeitsgruppe. OSDL-Marketingchef Nelson Pratt kündigte ein Planungskomitee für das erste Quartal 2004 an. Die Mitgliedsunternehmen hätten den dringenden Wunsch geäußert, das Open-Source-Betriebssystem um einen soliden Standard für den Desktop zu erweitern.
Der amerikanische Linux-Spezialist Redhat ist zwar Mitglied des OSDL, will aber dennoch eigene Anstrengungen in Richtung Dektop verstärken. Vice President Brian Stevens, zuständig für die Betriebssystementwicklung, erklärte in Boston, Redhat werde insbesondere an einem ausgefeilteren Interface für den Desktop arbeiten sowie an der Integration von Instant Messaging.

Darüber hinaus, so Stevens, sei es von großer Bedeutung, die Interoperabilität von Microsoft-Produkten sicherzustellen. Dazu gehöre auch die Unterstützung von Active Directory, von Exchange-Serveranwendungen, Windows Media-Formaten und Dateiformaten aus Microsofts Office-Suite.

Obwohl Redhat gerade das Support-Ende für seine jüngsten Consumer-Distributionen angekündigt hat, scheint der Desktop im Unternehmen doch genug Linux-Appeal zu haben. Denn die Amerikaner machen sich Stevens’ Ausführungen zufolge intensiv Gedanken darüber, wie Remote Management Software mit einer großen Linux-Desktop-Landschaft umgehen könnte oder wie die Benutzer-Authentifizierung plattformübergreifend zu bewerkstelligen ist. Schließlich sei auch ein so banaler Wunsch wie der Desktop-unabhängige Zugriff auf gemeinsame Kalendereinträge im Unternehmen nicht zu vernachlässigen, so Stevens.

Gerade die Ausführungen von hohen IBM-Vertretern auf der ersten ‘Desktop Linux Conference’ in Boston lassen aufhorchen. Hatte Big Blue doch noch vor wenigen Monaten davon gesprochen, Linux sei für den Desktop – gleich ob im Unternehmen oder beim Heimanwender – noch nicht reif.

Jetzt spricht Brian Docknevich von IBM Global Services davon, dass “Microsoft-Kunden auf Dotnet migrieren müssen”, wenn sie der Roadmap des Softwareherstellers weiter folgen wollten. “Und das bedeutet nicht unerheblichen Schulungs- und Entwicklungsaufwand”, so Docknevich. Er zeichnet für Linux und Grid-Technologie bei Global Services in Nord- und Südamerika verantwortlich.

Big Blue geht schon jetzt einen Schritt weiter und will innerhalb eines Jahres seinen Unternehmenskunden einen standardisierten Desktop-Linux-Support anbieten – und zwar weltweit. “Support ist für die Desktop-Installation ein Riesenthema. Unsere größten Kunden wollen Level-2- und Level-3-Support. Momentan können wir das noch nicht bieten, aber in einem Jahr sind wir soweit”, versprach Docknevich. Derzeit gebe es schon mehrere große Service-Kunden in diesem Bereich, zu denen IBM aber vorerst nicht mehr erzählen will. Der Unterhaltungskonzern Disney ist einer der bedeutendsten Linux-Anwender weltweit.

Dabei will Global Services sowohl die Technologien von Redhat als auch die von Suse unterstützen. Der deutsche Softwareanbieter wurde in der vergangenen Woche von Novell übernommen. Auch IBM hat sich mit einem Investment von 50 Millionen Dollar bei Novells Linux-Aktivitäten engagiert.

Jüngsten Erhebungen der Marktforscher von IDC zufolge könnte sich Linux bei seinem Desktop-Marktanteil von derzeit 1,5 Prozent innerhalb der kommenden drei Jahre auf 7 Prozent steigern. “Das ist gut für die Anwender-Unternehmen, aber es wird sich auch positiv auf die weitere Entwicklung von Linux auswirken,” meint Docknevich, “denn die Innovationszyklen werden enorm beschleunigt werden.”

Zuversichtlich dürfte die Anwender der Ausblick auf den Einsatz der Pinguin-Betriebssysteme unter den IBM-Mitarbeitern stimmen. Von den weltweit 300.000 Beschäftigten arbeiten derzeit 14.000 technische Mitarbeiter mit Linux. In einem Jahr sollen es zwischen 40.000 und 50.000 sein.