Playstation treibt IBMs Prozessorentwicklung voran

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Sonys Investition in die Chip-Fabrik von IBM zeigt, dass Big Blue in der Halbleiterbranche nicht zu unterschätzen ist – im Gegenteil: die Games sind nur ein Stück vom Ganzen.

Der Consumer-Elektronik-Konzern Sony schickt die Prozessor-Entwicklung beim Computergiganten IBM in eine erfolgversprechende Zukunft. Mit einem Etat von 325 Millionen Dollar unterstützt der Playstation-Erfinder das, was Big Blue derzeit noch geheimnisvoll ‘Cell’ nennt: die nächste Generation der 65-Nanometer-Chips in IBMs Microprozessor-Fabrik für 300mm-Wafer. Cell-Halbleiter sollen zusammen mit anderen Chips in das Gehirn der neuen Unterhaltungselektronikgeräte eingebaut werden. Start des Projekts ist 2005.
Mit dem Vertrauen von Sony in die Chip-Herstellung bei IBM macht der Konzern einen weiteren Schritt aus dem Windschatten der Prozessor-Spezialisten Intel und AMD. Zwar konnte die Branche kürzlich den Eindruck gewinnen, die Zukunft von IBMs CPU-Abteilung stehe auf wackligen Beinen. Erst letzte Woche kündigte Big Blue an, die Chip- und Serversparte zusammenzulegen. Spätestens jetzt allerdings scheint klar, dass der Plan, den hauseigenen PowerPC mit einer kombinierten Abteilung weiterhin zum Erfolg zu führen, ernst gemeint war.

Dass es so schnell weiter bergauf gehen würde, dachte wohl aber niemand. Noch in der Fusionsankündigung wollte man sich nicht auf den Namen der neuen Abteilung einlassen. Jetzt erklärte der Chef der wie selbstverständlich bestehenden ‘Systems and Technology Group’, John E. Kelly: “Sonys Investition unterstreicht unser Versprechen, Quantität und Qualität bei Consumer-Chips zu leisten.” Die sprichwörtlich planende lange Hand hat da offensichtlich im Verborgenen gearbeitet.

Die Kontakte zu Sony pflegt IBM schon eine Weile. Gemeinsam mit Toshiba soll jetzt der Cell-Prozessor schnell marktreif gemacht und produziert werden. Experten gehen davon aus, dass Cell Sonys nächste Version der Spielekonsole Playstation antreibt. Neben Sony unterhält Big Blue außerdem die Verbindung zu Nintendo und Microsoft. Die Redmonder unterstützten mit ihrer Konsole Xbox anfangs Intel-CPUs. Seit vergangenem Jahr hat IBM dort die Nase vorn.

Das Interesse an dem PowerPC geht aber über die Spielemacher hinaus und es scheint sich zu bewahrheiten, was in internen Kreisen schon lange gemunkelt wird. Die Microprozessor-Industrie teilt sich nach Meinung von Experten immer mehr in zwei Lager. Das eine wird beherrscht von den x86-Familien, wie sie Intel und AMD bedienen, und das andere besetzt IBM mit seinen Power-CPUs.

Doch im Gegensatz zu früher, als die Prozessoren nur für die eigenen Mainframes und Server benutzt wurden, scheint IBM jetzt mehr Gefallen am breiter angelegten Vermarkten seiner Prozessoren zu finden – und das nicht nur für die Spiele-Industrie. Apple, schon seit über 10 Jahren auf die Power-Prozessoren abonniert, erneuerte seine Verträge und fährt mit den Power5-Chips Erfolge ein. Sie geben nicht nur in den G5-Rechnern den Takt an sondern auch in seinen Servern der Xserve-Serie, die zunehmend an Popularität auch außerhalb der Mac-Gemeinde gewinnen.