´n gutes Neues!

Enterprise

Rauchen ist schädlich – gesellschaftlich, mental und kulturell.

Rauchen ist schädlich – gesellschaftlich, mental und kulturell: Es ermöglicht ständig unfähigen Finanzministern das politische Überleben, weil die ja – wenn in ihrem Ressort mal wieder nix mehr stimmt – statt zurückzutreten einfach die Tabaksteuer erhöhen können. Da sag schließlich jemand mal was dagegen, schädlich, wie das Rauchen nun mal ist!
Es leistet der Hybris Vorschub, ist doch die Abstinenz auf diesem Gebiet die einzige Tugend, zu der auch ganz matte Gestalten fähig und dementsprechend übermäßig stolz sind. Und es ist ein ästhetisches Problem: es beult die Hosentaschen der Menschen, die ihm verfallen sind, weil die sonst unruhig werden – wenn sie nicht genügend Münzgeld für Kippen dabeihaben.

Darüber hinaus stehen die Argumente trivialerer Natur seit einiger Zeit ganz groß auf den Zigarettenpackungen. Silvester ist da traditionell der Anlass: Tausend Gründe gibt’s, um mit dem Rauchen aufzuhören.

Bloß: Bloß Millionen Gründe sind’s, warum’s im Moment halt grad’ nicht geht. Deren werden sich die meisten in den ersten Tagen des neuen Jahres wieder bewusst. Und deshalb nimmt die Tabakindustrie den dramatischen Umsatzeinbruch Anfang Januar auch jedes Mal sehr gelassen.

Trotzdem sollte man dem Phänomen mehr Beachtung schenken, handelt es sich doch um nichts Geringeres als das Adoleszenz-Paradoxon, das da alljährlich zu Silvester tausendfach in seine tragische Phase eintritt: Man raucht schließlich, wenn man’s noch nicht ist, um erwachsen zu sein. Und wenn und weil man’s dann später ist, muss man damit aufhören: Erwachsene sollten schließlich vernünftig sein und verantwortungsbewusst handeln.

Deshalb jedes Mal das Gezerre zum Jahreswechsel. Dabei gäb’s doch viel schönere gute Vorsätze, mit denen ehemalige Rotznasen viel origineller zeigen könnten, dass sie jetzt schon groß sind.

William Henry Gates III beispielsweise, der einstmals jüngste Milliardär der Welt. Als Billy the Computer-Kid hat er ja dem damals noch Seriosität gewohnten EDV-Anwenderkreis viele Lausbubenstreiche gespielt: Ällebätsch, allgemeine Schutzverletzung!

Immer nur Unfug im Kopf! Den gepatchten Patch hat er sich ausgedacht und das lustige Alt-Control-Delete-Spiel.

Mittlerweile aber nimmt er sich jedes Jahr aufs Neue vor, endlich seriös und vertrauenswürdig zu werden. “Trustworthy” heißt das auf Englisch. Und “Trustworthy Computing” will William Henry künftig betreiben. Ist ja wirklich sehr löblich so ein Vorsatz…

Problematischer ist da schon die Entwicklung beim Sorgenkind der IT verlaufen, bei dem, den seine Eltern Lawrence genannt haben. Larry nennen ihn ja immer noch alle. Aus guten Gründen: Er ist doch arg renitent geblieben und kann sich immer noch nicht anständig benehmen.

Vor kurzem erst hat er wieder allen einen Schreck eingejagt. Zuerst hat jeder geglaubt, er werde den Hund von Craigy, seinem Spielkameraden aus Oracle-Tagen, umbringen. Und dann hat gesagt, er wolle statt dem Hund doch lieber den Craigy selbst erschießen.

Was soll man mit so einem Lauser bloß tun? Larry, marsch ins Bett! Sofort! Und zwar ohne Abendessen und ohne Mädels.

Wirklich ein Sorgenkind! Den muss man wohl noch ein Jahr zurückstellen.

Na ja und der Palmisano-Sammy, der benimmt sich auch noch sehr unreif. Ein typisch pubertäres Verhalten legt der ja an Tag. Dauernd nimmt er Wörter in den Mund, die er überhaupt nicht versteht.

Sein Lieblingswort in jüngster Zeit: BoD. Business on Demand sei das, sagt er. Und das bloß, um groß zu tun. In dem Fall, um als großer Chef des weltgrößten IT-Konzerns dazustehen.

Weiß der Himmel, wo er das wieder aufgeschnappt hat. Und vor allem: Was das eigentlich sein soll. Samuel, solche schlimmen Wörter sagt man nicht!

Und erst der kleine Kai-Uwe! Der Sohn vom großen Telekom-Chef Helmut Ricke. Der und seine Spielkameraden (engl.: Player), die glauben sogar noch an Märchen. Vor allem an das vom geheimnisvollen UMTS-Schatz.

Einer der Player – Mobilcom heißt er – der möchte jetzt ja nicht mehr mitspielen. Wie’s halt so ist bei Kindern: Wenn man nicht mehr gewinnen kann …

Und deshalb will er auch seinen Einsatz zurück. Wie früher. Wenn man sich da zu sehr geängstigt hat, dann hat die Oma einfach das Märchenbuch zugeklappt, und alles war wieder gut.

Und erst der Uli! Ulrich Schumacher, der so gerne mit Rennautos spielt und daheim, bei Infineon, Wildwest. Die Regeln des Spiels, das er sich ausgedacht hat, sehen vor, dass jährlich 5 Prozent ausscheiden müssen. Dem sollte man doch mal beibringen, dass das Leben kein Cowboy-und-Indianer-Spiel ist.

Aber eigentlich sind ja die Großen schuld, weil die die Rotznasen zu sehr verwöhnen. Die etwas tantig anmutende Unionsvorsitzende beispielweise. Tante Angy liest den goldigen Kleinen schließlich jeden Wunsch von den Augen ab. Der Guido ist eh für jeden Unsinn zu haben. Und der Gerd, der muss zwar immer die Rothaut spielen, aber in Wahrheit ist er ein echter Kumpel – vom Uli und seinen Spezln.

Trotzdem: Schön wär’s doch, wenn die IT-Chefs in der Silvesternacht mal wirklich gute Vorsätze gefasst hätten – keine lausige Software mehr auf den Markt zu bringen, sich anständig zu benehmen, keine schlimmen Wörter mehr zu sagen, nicht mehr an Märchen zu glauben und keine mehr zu erzählen und vor allem rücksichtvoll gegenüber ihren Mitmenschen zu sein und verantwortungsbewusst zu handeln.

Und wenn sie das dann auch noch durchhalten würden!

Na ja, da waren wohl die Absichten der mittlerweile wieder gescheiterten Nichtraucher doch sehr viel realistischer.

Dennoch: ein gutes 2004!

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