Davos: Die Bosse der IT-Industrie verbreiten Zuversicht

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Chambers, McNealy & Co. haben in Davos Ziele für die IT-Industrie formuliert. So unterschiedlich die Firmen, so verschieden sind auch die Erfolgsrezepte.

“Vor drei Jahren waren wir die Pessimisten und sagten, dass nun eine hundertjährige Flut beginne. Heute sind wir die Optimisten, weil wir die Chancen eines Wachstums der Produktivität erkennen.” John Chambers, CEO des Netzwerkkonzerns Cisco, gab sich auf dem World Economic Forum in Davos genauso betont optimistisch wie seine anderen Kollegen aus der Chef-Etage der IT-Branche.
Die Präsidiumsmitglieder des Jahrestreffens in Davos 2004, die aus der IT-Industrie kommen, wollten ihre neu gewonnene Zuversicht mit allem Nachdruck im Schweizer Skigebiet kommunizieren. Das Motto des Treffens “Sicherheit und Wachstum” gab ihnen reichlich Gelegenheit, ihre persönlichen Favoriten unter den Lösungsansätzen für die Erholung der Wirtschaft kund zu tun. 

Chambers setzt vor allem auf eine Produktivitätssteigerung, die durch IT-Systeme und innovative neue Produkte erreicht werden soll. Zwar glaubt er, dass es weiterhin eine Konsolidierung in der Industrie geben werde, doch die Produktivitätssteigerung durch Technikeinsatz werde auch die negativen Begleiterscheinungen ausgleichen. Chambers: “Sobald die Wirtschaft sich erholt hat und die Gelder wieder fließen, werden Firmen auch wieder zukaufen und der Markt für Fusionen und Übernahmen anziehen.”

Die nächste große Technologiewelle werde dafür sorgen, dass der Lebensstandard global gesehen steigen kann. Diesen Optimismus teilen zwar nicht viele andere Teilnehmer des Jahrestreffens, aber Chambers will zumindest bei Cisco selbst dafür arbeiten, dass eine Produktivitätssteigerung von etwa 15 Prozent pro Jahr über die nächsten fünf Jahre erreicht wird.

Doch genau dies sehen andere Industrie- und Politikvertreter als Gefahr: Ein Suchen nach mehr Produktivität führe bei Firmen in den westlichen Industrienationen zu mehr Outsourcing in Billiglohnländer. Chambers sieht diese Gefahr zwar auch, doch er denkt, dass es in Zukunft auch von Rahmenbedingungen in Politik und Bildung abhängen werde, in welchen Ländern unter welchen Regierungen mit welcher nationalen Bildungslage die IT-Jobs bleiben werden.

Laut dem IT-Marktforschungsunternehmen Gartner, das in Davos durch seine Führungsriege vertreten war, wird bis 2008 sogar die Arbeit jeder zehnten klassischen IT-Stelle im Ausland gemacht. “Diese Ortsverschiebungen sind vermutlich gravierend”, sagt Chairman Michael Fleischer. “Die Arbeit kann auf diese Weise sehr schnell abwandern und wir werden bald sehen, wie schnell wir mit Innovationen Ersatz für die Arbeitsplätze schaffen können.”

Genau das ist für Scott McNealy kein Problem. Er sagte in einer Diskussionsrunde des Treffens: “Die Anwendung von Netzwerken wächst stetig, auch wenn sich das noch nicht in den Verkaufszahlen der Ausrüstungshersteller niederschlägt. Doch die Technik hat die Lebensspanne einer Banane – sie wird schnell braun und schrumplig und die Leute wollen eine neue, frische Banane.”

Für ihn ist klar, dass der derzeitige wirtschaftliche Stillstand mittel- bis langfristig keine Konsequenzen auf den Technik-Appetit der Kunden haben wird. Laut McNealy heißt aber das Rezept, das Geld wieder neu zirkulieren lassen: weg von der Komplexität. “Jeder Server, den ich heute sehe, ist wie ein Fingerabdruck, völlig anders als jeder andere. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund.”

Michael Dell, Gründer und CEO der gleichnamigen Computerfirma, gibt eine Devise aus, die im krassen Gegensatz zur eigenen Unternehmensphilosophie steht: “Wir müssen uns von der reinen Techniklieferung weg bewegen und hin zum Liefern von Arbeitseffektivität und Werten.” Davon werde vor allem das Geschäft mit anderen Firmen getrieben. Dell sagt: “Es ist unsere Aufgabe, unsere Produkte Wert-voller und leichter zugänglich zu machen, nicht teurer.”

In das selbe Horn stößt Gerard Kleisterlee, der Chef der niederländischen Royal Philips Electronics. “Die Menschen wollen mit einem guten Service verbunden sein”, sagt er und meint damit, dass Technik kompatibel und konvergent sein soll – und einfach im Einsatz. Sie soll seiner Ansicht nach “dazu benutzt werden, unser aller Lebensqualität zu verbessern”.