Unter Verdacht: Microsoft soll SCOs Linux-Krieg finanzieren

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Die E-Mail eines SCO-Beraters gibt deutliche Hinweise darauf, dass Microsoft den angeschlagenen Softwarehersteller bei seiner Klangewelle finanziell unterstützt.

Microsoft soll die Klagewelle des angeschlagenen Softwareunternehmens SCO gegen IBM und einigen Linux-Anwendern, darunter DaimlerChrysler, finanzieren. Das geht aus einer E-Mail hervor, die angeblich aus dem Posteingang von Chris Sontag, dem Vice President und General Manager von SCO stammen soll. So berichtet das Online-Forum Opensource.org, dem das Memo angeblich von einem SCO-Mitarbeiter zugespielt worden sei.
Die Authentizität des Schreibens wurde bereits von SCO bestätig. Doch seien die Rückschlüsse, die von Eric Raymond, dem Betreiber des Forum und dem Autor des Schreibens gezogen würden, falsch. Auch Microsoft verneinte, über Baystar Geld bei SCO investiert zu haben. Doch angesichts der Vorwürfe, die aufgrund der Mail erhoben werden könnten, wirken die Dementis etwas blass.

Spekulationen darüber, ob Microsoft hinter den Klagen von SCO gegen IBM und Linux-Anwendern steht, wurden bereits im Okober 2003 laut, als das Venture Capital Unternehmen Baystar 50 Millionen in das angeschlagene Unternehmen investierte, nachdem Fachleute Einblick in den besagten Source Code genommen hatten. Nach wie vor halten sehr viele Kenner der Szene die Anklagen für unhaltbar und sehen darin vor allem den Versuch, Anwender von Linux zu verunsichern.

Nach Raymonds Interpretation sei das Schreiben eine “rauchende Tatwaffe”, die den Verdacht gegen Microsoft bestätigt. Mit dem Hinweis auf finanzielle Rücklagen von SCO in der Höhe von 68 Millionen Dollar geht er davon aus, dass ohne Finanzhilfe aus Redmond SCO bereits 15 Millionen Schulden durch die Klagen angehäuft hätte.

In dem Schreiben, das von dem Unternehmensberater Mike Anderer stammen soll und das neben Sontag auch an Robert Bench, dem Finanzchef von SCO adressiert war, erklärt der Autor, Microsoft habe angedeutet, dass auch noch mehr Geld da sei, das über “Baystar-ähnliche” Körperschaften verteilt werden könne. Die Rede sei von 16 bis 20 Millionen, die dem Unternehmen zur Verfügung gestellt werden könnten, “falls SCO weiter wachsen wolle, oder Übernahmen plane.” Anderer unterstützte als Mitarbeiter der Unternehmensberatung ‘S2’ seit letzten Sommer SCO bei den Berichten für die amerikanische Börsenaufsicht.

Offenbar soll auch Novell in einen Patenstreit über IPX, einer Funktion für Netzwerke verstrickt werden. Auch wolle der Autor, wie aus der Mail hervorgeht, den Source-Code von einer Red Hat Linux-Distribution mit einer Anwaltskanzlei durchgehen, offenbar um weitere Klagen vorzubereiten.

In amerikanischen Medien erklärte Blake Stowell, ein Sprecher von SCO, dass es sich dabei um ein Missverständnis handle und lehnte die Rückschlüsse des Mail-Verfassers sowie Raymonds ab: “Wir glauben, dass die E-Mail eine einfache Missinterpretation der Fakten eines externen Beraters ist.” Dieser habe an einem bestimmten Projekt gearbeitet, das nicht mit der Baystar-Transaktion in Zusammenhang stehe. Der Mitarbeiter sei zu Zeiten über das Missverständnis aufgeklärt worden. Entgegen der Mutmaßungen von Raymond habe Microsoft weder die Baystar-Transaktion manipuliert noch sei das Unternehmen daran beteiligt gewesen, so der Sprecher weiter.

Im zurückliegendem Jahr hatte Microsoft erklärt, an SCO für Unix-Lizenzen 10 Millionen Dollar bezahlt zu haben. Neben diesen Zahlungen habe es aber kein weiteres finanzielles Engagement gegeben. Ohne die angebliche finanzielle Unterstützung von Microsoft hätte das Unternehmen bereits über 15 Millionen Dollar Schulden alleine in den verschiedenen Rechtsauseinandersetzungen mit IBM gesammelt, so Raymond. Hinzu kommen Verluste im operativen Geschäft. Aber Anderer empfiehlt seinem Empfänger Sontag, die Strategie beizubehalten, weitere Geldbeträge von Microsoft seien gewiss.

Widersprüche gibt es inzwischen auch um die Lizenzzahlung des Internet Service Providers EV1Servers.net. Das Unternehmen ist das erste, das sich dem Druck von SCO gebeugt hat und zur Entrichtung einer Lizenzgebühr für seine Linux-Installation bewegen ließ. Robert Marsh, “Head-Surfer” des Providers, soll US-Medien zufolge dementiert haben, einen siebenstelligen Betrag an SCO für das Intelectual Property Program gezahlt zu haben. Es habe sich, so Marsh, um eine Zahlung gehandelt, die keinesfalls in der genannten Größenordung liege. Offiziell bekennen sich noch Computer Associates, Gashersteller Questar und der Hersteller Legett&Platt, an dem Programm teilzunehmen. Bei diesem Programm können sich Firmen über eine Lizenz von 700 Dollar pro Prozessor gegen eine Klage von SCO absichern.

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