‘On-Demand’-Konzepte finden Weg in echte Anwendungen

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Das Konzept einer flexiblen IT-Infrastruktur, bei dem nach Bedarf Rechenleistung konsumiert und abgerechnet wird, fängt an in Anwendungen vieler Branchen seinen Widerhall zu finden.

Das Konzept einer flexiblen IT-Infrastruktur, bei dem nach Bedarf Rechenleistung konsumiert und abgerechnet wird, fängt an in Anwendungen vieler Branchen seinen Widerhall zu finden. Das von den drei größten Hardware-Konzernen (IBM, HP und Sun) propagierte Modell “ist in der Welt wirklich angekommen”, sagte Walter Raizner, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland, auf der CeBIT und brachte mehrere Beispiele, um seine Feststellung zu illustrieren.
Eine britische Versicherung prüft derzeit ein neues Versicherungsmodell mit dem  ‘Pay as you drive’ nennt sich das Konzept. Mit einer kleinen Box werden unter anderem Fahrverhalten und Geschwindigkeit des Fahrzeuges aufgezeichnet. So kann die Versicherung im Schadensfall ein fehlerhaftes Verhalten des Fahrers feststellen. Aber es soll auch Vorteile für den Kunden bieten. So muss er nur für den Zeitraum, in dem er tatsächlich mit dem Auto unterwegs ist, für die Versicherung bezahlen.

Auch in der Automobilindustrie findet das Konzept Anklang. Erich Nickel, bei IBM verantwortlich für den Bereich Automotive Telematics Solutions, sieht für Big Blue sehr gute Chancen, künftig noch mehr mitzumischen: 90 Prozent der Wertschöpfung in der Automobilproduktion stammten mittlerweile aus Software und elektronischen Komponenten. So befänden sich in Mittelklassewägen schon bis zu 170 kleine Rechner in einem Auto.

Dementsprechend habe sich hier auch die Produktionsweise geändert. Um individuellen Kundenwünschen nachkommen zu können, das heißt personalisierte Modelle herzustellen, müssten Stückzahlen reduziert werden und die Produktion müsse entsprechend angepasst werden. In einem Autowerk in Ungarn habe das Unternehmen zusammen mit der Unternehmensberatung PWC, die IBM 2002 übernommen hat, die Produktion für diese schwankenden Stückzahlen angepasst. Der ganze Ablauf komme mehr oder weniger ohne Papier aus, so Nickel.

Besonders die Supply Chain, die Lieferantenbeziehungen, die Kundenkommunikation und die Einhaltungen der Produktqualität stehen auf der Agenda der Hersteller ganz oben. De Konsolidierungsbewegungen in der Automobilbranche in den letzten Jahren sind für eine starke Flexibilisierung der Partner- und Zulieferbeziehungen verantwortlich, sagte Alexander Scheidt, Central Region Leader Automotive Executive Partner bei der IBM Software Group. Dem versuche IBM zusammen mit seinen Partnern mit Software zu begegnen, die einerseits intern transparenter nutzbar und nach dem Nutzen berechenbar sei. Andererseits ermögliche der Einsatz entsprechender Lösungen auch, dass die Softwareschichten besser “miteinander sprechen können”. 

Aus einem aktuellen Projekt bei Audi sei zu berichten, dass dies weitestgehend geglückt sei. Audi habe bislang von IT-Seite her vor allem intern gearbeitet, nun seien Kundenbeziehungen und unternehmensübergreifende Fragen der Kommunikation und der gesteigerten Bedürfnisse an Bedarfskette und Tempo der Prozesse bald genüge getan.

Früher, so der IBM-Projektmanager Ralf Geyer, sei ein Bedürfnis nach festen Grundsätzen und “120-prozentig bis zuende durchgerechnet” worden. Heute werde ein iterativer Ansatz mit kurzen Zeitintervallen und einem permanenten Einfließen der realen Bedingungen verfolgt. So könne die IT schnell und effektiv reagieren. Geyer: “Statt ergebnisorientiert und starr kann jetzt Schritt für Schritt und meist sogar schneller ein Bedarf gedeckt werden.”

So regle IBM, ergänzt Jochen Moll, Vice President der IBM Software Group Central Region, “eine wirklich bedarfsgerechte Prozessororientierung” den Alltag. Gleiches gelte auch für alle anderen Branchen, in denen IBM aktiv sei. Dabei sei nicht geplant, dass IBM “ähnlich wie Microsoft oder wie die SAP mit ‘Netweaver’ als selbständiger Middleware-Anbieter” auftrete. Vielmehr werde die Kommunikation mit den “weltweit etwa 90.000 Partnern aus Zulieferung, Beratung, Systemhausbranche, Softwaredesign und OEM-Bereich” immer intensiver. Auch die jetzt vorgestellten Lösungen seien zu einem Großteil “in den Köpfen von Partnern in der Branchentiefe” gewachsen.

Seine Chance mit On-Demand wittert Big Blue auch im Gesundheitswesen: Das Unternehmen wird nach Aussage von Walter Raizner in den kommenden Wochen der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ein Konzept für die Gesundheitskarte 2006 vorlegen.