NEC und IBM spannen ihre Blade-Muskeln

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Blades schaffen Raum im Rechenzentrum, die Anwender greifen dafür gern mal tiefer in die Tasche. Für die Industrie heißt dies, die Palette schnell zu verbreitern.

Die kleineren Abmessungen von Blade-Servern im Vergleich zu den üblichen Servern bei gleicher oder gar höherer Leistung machen sie attraktiv. Jetzt hat der japanische Computerhersteller NEC das Blade sogar für den High Performance Computing-Bereich (HPC) entdeckt. Bei IBM gibt es die ersten spezialisierten Lösungsansätze auf dem Chassis-Level.
Jörg Stadler, Marketing Manager bei NEC Europa, erklärt gegenüber silicon.de den Ansatz seines Unternehmens so: “Im Gegensatz zu den umfangreichen HPC-Systemen, die beim Wetterdienst und anderen Stellen eingesetzt werden, bieten sich Blade-Strukturen auch für kleinere Kunden an. Sie brauchen tatsächlich im Alltag Supercomputing-Leistung, könnten aber die großen Systeme weder bezahlen noch ausnutzen – an die richtet sich unsere Planung.” Ein erster Prototyp eines solchen HPC-fähigen Blade Servers werde noch im Sommer vorgestellt, ließ er durchblicken.

Dieser soll laut Plan serienmäßig ein Linux-basiertes Betriebssystem und entsprechende Software erhalten. Das sei gerade im HPC von Vorteil, da die rechenintensiven und schnellen Operationen gerade auf Open Source besonders gut und stabil laufen, sagt Stadler. Teurer als vergleichbare Server mit herkömmlichen Abmessungen werde das System aber grundsätzlich nicht. “Unsere Kunden würden das weder verstehen noch akzeptieren”, sagt der Manager. Der “Neue” koste daher soviel wie ein Rack Mount Server gleicher Bauart und Leistung.

Das Produkt mit dem Projektnamen ‘NEC Itanium Blade’ soll, wie der Name schon sagt, auch bei den Prozessoren keine Kompromisse machen. Stadler: “Wir setzen grundsätzlich hier den Itanium von Intel ein, weil AMD im Bereich HPC einfach nicht dieselben Leistungen bringt. Das mag in anderen Bereichen anders sein, aber beim Supercomputing kommt eigentlich nichts als der Itanium in Frage, sonst sind die geforderten Fließkommarechnungen nicht zu schaffen – und auf die allein kommt es hier an.” Geplant ist der feste Einbau von zwei Itanium-Prozessoren per Blade.

Weitere Merkmale, die er unter Vorbehalt nennen will sind: 64-bit-Architektur, 12 Speicherslots per Blade, ein Infiniband-Connector, der Storage Area Networking und Clustering erlauben soll, und ein neuartiger Lüfter. Er befinde sich nicht wie üblich auf dem Chassis, sondern direkt auf dem Blade. Stadler: “Das hat den Vorteil, dass die Störanfälligkeit des Gesamtsystems nicht steigt, wenn einmal ein Lüfter ausfallen sollte – bisher war dann das gesamte System mit allen dort verfügbaren Daten in Gefahr, jetzt ist das Risiko überschaubar.”

Neu sei auch, dass voraussichtlich keine Switch-Elektronik eingebaut sei, was den Vorteil habe, dass bei etwas mehr Verkabelung die Gefahr eines Flaschenhalses vor den nachträglich angeflanschten Switches entfalle. “Das Kaskadieren von Switches bei vorgefertigter Architektur birgt ab einer gewissen Anzahl der Netzteile die Gefahr eines Datenstaus – bei dem geplanten Blade soll eine bedarfsgerechte Erweiterung ohne diese Begrenzung möglich sein.” Einziger, wenn auch kleiner Minuspunkt dabei sei “etwas mehr Kabelsalat”.

Ferner will NEC mit dem Blade auch eine neue technische Datenübertragungsmethode etablieren. MPI (Message Passing Interface), der Standard für Datenübertragung im HPC-System, soll unter entscheidender Mitwirkung der Forscher im NEC-Labor in St. Augustin bei Bonn eine neue Version bekommen. Stadler: “Unsere Entwicklertruppe arbeitet mit Hochdruck an MPI2, das auf dem geplanten Blade Server arbeiten soll.”

Die neuen Blade-Ansätze von IBM sind vielleicht weniger spektakulär für HPC-Fans. Jedoch dürfte sich die TK-Branche dafür interessieren: Der ‘eServer BladeCenter T’ soll die Blade-Familie bereichern und sich speziell für die genannte Branche eignen. Standardisiert sowohl für ETSI-Bestimmungen (European Telecommunications Standards Institute) wie auch für NEBS 3 (Network Equipment Building Systems) garantiere das neue Chassis die effektive Netzwerkunterstützung, so IBM. Für Big Blue ist dies ein Vorstoß in die TK-Branche, die sich nach dem Worldcom-Skandal und den Krisen wieder etwas zu erholen beginnt. Spezielle Hochsicherheitsfähigkeiten wie die Resistenz gegen Feuer, Wasser, Blitzschlag und ähnliches sollen die speziellen Bedürfnisse der TK-Anbieter befriedigen.