CeBIT 2004 bekommt von der Branche “eine gute Zwei”

Management

Der IT-Sektor kann seine Hoffnung wieder in Worte fassen: die CeBIT 2004 war ein Erfolg, der zumindest von den Besucherzahlen her an goldene Zeiten anknüpfte.

Für die Messemacher und die Branche ein voller Erfolg: die CeBIT 2004. Obgleich sich während der Messe die allerwenigsten Aussteller trauten, das Wort “Aufschwung” laut zu nennen, war die Veranstaltung allein zahlenmäßig ein stabiles Zeichen für eine solche Trendwende. Ernst Raue, Vorstand der Messe AG, sprach zum Abschluss der Messe gar davon, dass er “noch nie so gerne auf eine Abschlussveranstaltung wie heute” gegangen sei. Als Beleg dafür sieht er die Besucherzahl, ihre Zusammensetzung und die wirtschaftlichen Effekte der Messe. Schließlich hätten die Firmen der Messe dieses Jahr die Schulnote 1,9 gegeben – letztes Jahr bekam die Messe nur eine 3.
So seien in diesem Jahr wieder die Besucherzahlen wie seit Jahren nicht mehr gestiegen. “Wir zählten 510.000 Besucher; wenn wir früher einen Besucher pro Quadratmeter Messefläche also 334.000 hatten, nannten wir das eine gute Messe, doch solche sensationellen Zahlen haben wir seit Jahren nicht so gesehen”, sagte er. Ferner sei erstmals seit drei Jahren auch die relative Steigerung wieder da gewesen, also die Besucherzahlen hätten sich bisherigen Zählungen zufolge jeden Messetag um etwa 3400 Interessierte gesteigert.

Auch die Zahl der Aussteller sei passabel: Raue spricht davon, dass die vor der Messe gemeldeten 6411 Aussteller vermutlich auf etwa 6420 gestiegen seien. Eine EDV-Umstellung erlaube derzeit keine genaueren Angaben. Die Aussteller geben sich ebenfalls zufrieden. Der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Willi Berchtold, sagte: “Wir haben bei einer Umfrage unter unseren Mitgliedern festgestellt, dass alle Firmen wichtige neue Impulse bekommen haben.” Das schlage sich weniger in jetzt schon bezifferbaren Verträgen nieder. Dazu sei die CeBIT auch nicht da, merkt er an. “Alle Bitkom-Unternehmen haben neue Leads und neue Projekte für die nächsten Monate mit nach Hause genommen – Projekte, die noch in diesem Jahr und Umsatz bringen werden.” Das kann er auch beziffern: “Wegen dieser wichtigen Kontakte und Gespräche rechnen die Unternehmen im Durchschnitt mit etwa 15 bis 20 Prozent mehr Umsatz in diesem Geschäftsjahr.” Der Nutzen der CeBIT sei also ganz materiell greifbar für die Branche.

Dies nicht zuletzt auch wegen der strengen Ausrichtung betonen beide Manager: “Die CeBIT ist kein Rummelplatz und wir werden gemeinsam mit der Deutschen Messe AG dafür sorgen, dass dies auch so bleibt.” Mit diesen markigen Worten beschreibt Willi Berchtolt die Messezukunft. Zwar sei die Berichterstattung über die letzten Tage sehr Consumer-betont gewesen, jedoch werde die CeBIT eine Fachbesuchermesse bleiben und auch solche Themen bevorzugt bedienen. Raue stößt in das selbe Horn: “Wir haben auch Consumer-Themen, aber wir wollen nicht wie die IFA eine Endverbrauchermesse sein – daher haben wir auch in der Krise unsere Eintrittspreise nicht gesenkt, was sich jetzt erstmals auszahlt.”

Er spricht von einer klaren Vertikalisierung auf der CeBIT. Durch die Hallenstruktur sei eine Trennung in thematische und technische Segmente gegeben. Das soll noch optimiert werden, um die Fachbesucher noch stärker zu locken. “Die Vertikalisierung wird 2005 noch viel deutlicher werden und die thematische Akzentsetzung auch. Wir werden aber nicht irgendwo etwas abschneiden, sondern die Messe nur sauberer und klarer strukturieren”, sagt er. So gebe es beispielsweise in der ältesten und größten Halle, der weltberühmten Halle 1, noch viele Consumer-Themen unter all den B2B-Firmen. Raue: “Wir wollen nicht alle Hallen neu aufbauen, sondern sie lediglich übersichtlicher thematisieren; so können wir auch die Erwartungen der Aussteller besser erfüllen.” Diese hätten aber in diesem Jahr ihre hohen Erwartungen noch übertroffen gesehen.

Beispiele dafür gibt es genug:

“Wir haben auf der CeBIT unsere Zielgruppen sehr gut erreichen können. Insgesamt kann man im Vergleich zum letzten Jahr sagen: Weniger Quantität, mehr Qualität. Damit sind wir sehr zufrieden,” sagt Andrea Muth, Unternehmenssprecherin von TeleCash Kommunikations-Service.

Frank Schnittker, Marketingleiter der d.velop AG, betont: “Ein eigener Messestand auf der CeBIT ist sehr wichtig, um unsere neue Corporate Identity in den Markt zu tragen. Die CeBIT ist für uns die wichtigste Messe im Veranstaltungskalender. Die Messebesucher gehen gezielt auf die jeweiligen Stände.”

Die Messe hatte sich für ReadSoft-Geschäftsführer Bruno Pohl bereits nach den ersten beiden Tagen bezahlt gemacht.  Andere Unternehmen wie die Tropper Data Service GmbH konnten eigenen Angaben zufolge gleich auf der Messe erste Partnerverträge aushandeln. All diese kleineren Firmen geben dem Bitkom-Präsidenten recht.

Berchtolt sagte: “Wir haben viel mehr Fachbesucher aus dem Mittelstand gezählt, denn die Hersteller sorgten für adäquates Angebot. Der Mittelstand wurde in seiner eigenen Sprache mit fachgerechten Lösungen angesprochen.” Messe-Vorstand Raue ergänzt aus Veranstaltersicht: “Für den Mittelstand haben wir uns vorab intensiv beraten lassen, um die erkannten Anforderungen der kleineren Unternehmen optimal zu bedienen.” Dabei sei es darauf angekommen, den Firmen die Hemmung vor der Größe der CeBIT zu nehmen. “Wir haben per Direkt-Link im Internet eine Art Bypass für den Mittelstand gebaut, damit sich die Kunden nicht erst durch die ganze Site klicken mussten, dasselbe Konzept haben wir mit einer mittelstandsorientierten Führung durch das Gelände und einem eigenen Forum versucht.”
 
Das Konzept scheint aufgegangen, denn der mittelständische Softwareanbieter FDT aus Groß-Gerau konnte sein Produkt am Forum ‘Innovationen für den Mittelstand’ sogar einmal verkaufen.