Microsoft zahlt fast 2 Milliarden Dollar an Sun

Management

Das Ende eines langjährigen Disputs ist dem Monopolisten offensichtlich viel Geld wert. Statt Rechtskrieg gibt es künftig ein Lizenzprogramm.

In einer spektakulären außergerichtlichen Beilegung ihres langjährigen Rechtsstreits ist Microsoft bereit, dem Rivalen 1,95 Milliarden Dollar zu zahlen. Allein der Rücktritt Suns aus seinen Forderungen hinsichtlich der Kartellrechtsverletzungen von Microsoft ist dem Softwareriesen 700 Millionen Dollar wert. Weitere 900 Millionen Dollar wird Sun erhalten, um seine Ansprüche wegen Missbrauchs seiner Patente durch Microsoft fallen zu lassen.
Ein Abkommen über die künftige Lizenzierung von Sun-Technologie wird dem zuletzt angeschlagenen Unternehmen weitere 350 Millionen bringen. Auch Sun wird Technologie von Microsoft lizenzieren, um seine Rechner besser in Windows-Umgebungen zu integrieren.    

Die Bemühungen um eine einvernehmliche Einigung zwischen den beiden verfeindeten Unternehmen gehen auf eine Initiative von Sun-Chef Scott McNealy im Sommer letzten Jahres zurück. Er rannte dabei offene Türen ein, denn die Beschwerden der Kunden über die schlechte Interoperabilität zwischen Unix- und Windows-Umgebungen hatten inzwischen auch bei Microsoft ein empfindliches Niveau erreicht.

Aus einer unverbindlichen Partie Golf zwischen McNealy und Microsoft-CEO Steve Ballmer mit anschließendem Gespräch wurden wöchentliche Telefonkonferenzen mit Teilnahme ihrer Cheftechniker und Rechtsbeistände, um zumindest den künftigen Umgang mit dem geistigen Eigentum der anderen Partei zu regeln. Der Streit um die Nutzung von Java durch Microsoft war hochaktuell und auch Suns Forderungen wegen Benachteiligung des Wettbewerbs, da Microsoft bestimmte Schnittstellen zu seiner Serversoftware nicht veröffentlichen wollte, waren noch nicht aus der Welt.

Doch nach einem halben Jahr guter Fortschritte stagnierten die Gespräche und es war wieder Scott McNealy, der die wöchentlichen Gespräche auf höchster Ebene vor Weihnachten aussetzte. Zwar liefen die Gespräche auf technischer Ebene weiter, doch beide sahen wenig Grund, sie weiter zu forcieren – bis zum 18. März dieses Jahres. An diesem Tag nämlich waren die Gespräche zwischen Steve Ballmer und EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti endgültig gescheitert.

Schon am nächsten Tag nahmen Microsoft und Sun ihre Gespräche wieder auf. Während eines vierzehntägigen Verhandlungsmarathons mit intensiver Teilnahme von Ballmer und McNealy kam man schließlich zu einer Einigung, die nicht nur für eine Überraschung in der Industrie sondern auch für reichlich Zündstoff bei laufenden Auseinandersetzungen zwischen Microsoft und diversen Kartellrechtsbehörden, Verbraucherschutzorganisationen und Regierungen sorgen sollte.

Der Vorwurf ist fast überall derselbe: Das Geschäftsgebaren des Monopolisten behindere den Wettbewerb und nutze die Hilflosigkeit der Anwenderschaft aus, um ihr den Umgang mit Produkten der Konkurrenz madig zu machen und statt dessen noch mehr Microsoft-Produkte durchzusetzen. In diese Kategorie fällt auch das Verfahren der EU-Kommission gegen Microsoft, das nicht zuletzt durch eine Beschwerde seitens Sun eingeleitet wurde.

Die Einigung mit Sun wird von vielen US-Analysten als kluger Schachzug von Microsoft im Vorgehen gegen die EU-Entscheidung gesehen. Demnächst will das Unternehmen beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg um eine Aufhebung des Urteils kämpfen.

Die Frage ist nur, mit welchen Argumenten. Auch wenn Sun seine Beschwerde nach der Einigung zurückziehen will, nach der Urteilsverkündung scheint der Zeitpunkt reichlich verspätet. Andererseits ist sowohl die Tatsache, dass Sun eine Entschädigung erhält, als Schuldeingeständnis zu bewerten, und auch die Höhe der Strafe scheint gerechtfertigt: Der Schadenersatz von 700 Millionen Dollar für eine einzige Firma übersteigt deutlich die Strafe der EU – und benachteiligt wurde in den vergangenen Jahren beileibe nicht nur Sun.