Deutsches Kabelnetz wieder in Monopolisten-Hand

EnterpriseMobile

Nach monatelangen Verhandlungen hat der führende Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland seine drei kleineren Konkurrenten geschluckt.

Nach monatelangen Verhandlungen hat der führende Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland seine drei kleineren Konkurrenten geschluckt. Für die Übernahmen von Ish, Iesy Hessen und Kabel Baden-Württemberg wurde ein Gesamtpreis von 2,7 Milliarden Euro ausgehandelt, hieß es aus Verhandlungskreisen. Durch den Zusammenschluss wird Kabel Deutschland ein bundesweites Breitband-Kabelnetz betreiben, an das mehr als 17 Millionen Haushalte angeschlossen sein werden. Ob die zuständigen Kartellbehörden dem Deal zustimmen, ist noch offen.
In den nächsten drei Jahren will Kabel Deutschland rund 500 Millionen Euro in neue Dienstleistungen und Produkte investieren und die Digitalisierung des Breitbandkabels vorantreiben. Kabel-Deutschland-Chef Roland Steindorf hat bereits Pläne für die fusionierte Zukunft. “Wir haben dadurch die Chance mit Angeboten gleichzuziehen, die Konsumenten anderer europäischer Länder wie Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien längst nutzen können. Digitales Fernsehen hat das Potential, in den kommenden Jahren enorme Wachstumsimpulse für die Medienwirtschaft und die Elektronikindustrie in Deutschland zu generieren.” Entlassungen sind bei den zugekauften Firmen nicht vorgesehen.

Die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden ist jedoch alles andere als sicher. Aufgrund der Transaktionsgröße muss der Kauf bei der EU-Wettbewerbsbehörde angemeldet werden. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, das der Fall an das deutsche Kartellamt verwiesen wird. Schon 2002 war der geplante Verkauf des deutschen Kabelgeschäfts an den US-Kabelbetreiber Liberty Media am Verbot des Bundeskartellamts gescheitert.

Bei Kabel Deutschland ist man jedoch zuversichtlich, dass die Regulierer den Unterschied zwischen dem Geschäftsmodell von Liberty Media und dem von Kabel Deutschland erkennen wird. Anders als Liberty, will Kabel Deutschland nach eigenen Angaben nicht die Inhalte kontrollieren, die über die Plattform verkauft werden.