Funkstille durch Mobilfunk-Tarif-Dschungel

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Knapp 65 Millionen Menschen in Deutschland tragen ein Handy mit sich herum – doch telefonieren tun sie damit nur selten.

Knapp 65 Millionen Menschen in Deutschland tragen ein Handy mit sich herum – doch telefonieren tun sie damit nur selten. Im Schnitt 73 Minuten im Monat – das ist eine halbe Stunde weniger als der Durchschnitts-Spanier und sogar fast zwei Stunden weniger als der durchschnittliche Handy-Nutzer in Norwegen. Schuld ist daran vor allem der fast undurchdringliche Tarif-Dschungel in Deutschland, sagt die Managementberatung A.T. Kearney in ihrer neuesten Studie.
“Unsere Analysen zeigen, dass bei den Tarifstrukturen ein bemerkenswertes Umsatzpotential förmlich brach liegt, denn Deutschlands Mobilfunkanbieter haben sich in den zurückliegenden Jahren in erster Linie darum bemüht, sich im Wettbewerb durch attraktive Preise bei subventionierten Endgeräten zu profilieren”, so A.T. Kearneys Vice President Martin Sonnenschein. Die tatsächlichen Gesprächspreise wurden dabei kaum beachtet, was auch das vergleichsweise niedrige Gesprächsaufkommen in Deutschland erkläre.

Viele deutsche Unternehmen hätten das Problem jedoch bereits erkannt und würden mit Pauschalangeboten – so genannten ‘Bucket-Tarifen’ – einem Trend folgen, der aus den USA nach Europa geschwappt ist. Bei Bucket-Tarifen erwirbt der Kunde eine bestimmte Anzahl von Gesprächsminuten zu einem Festpreis, die er innerhalb eines definierten Zeitraums abtelefonieren kann. Der Kunde soll so dazu gebracht werden, sein Handy öfter zu nutzen. In den USA konnte AT & T Wireless durch die Einführung von Bucket-Tarifen die durchschnittliche Nutzungsdauer seiner Kunden innerhalb eines Jahres um 12,1 Prozent steigern.

Um eine Offensive auf das Festnetz zu starten, suchen viele Mobilfunkanbieter dennoch ihr Heil in neuen, zusätzlichen Tarifen wie ‘Happy Wochenende’, ‘Happy Hour’ oder ‘Relax’. Gleichzeitig setzen die Provider auf Sprach- und Datendiensten, vor allem UMTS soll den Weg ins Internet ebnen. Große Wachstumsmärkte versprechen sich die Anbieter auch von Musikdiensten. Die gesammelten Multimediaqualitäten wollen Handyhersteller und Netzbetreiber für eine ‘Emotionalisierung der Technik’ nutzen. Soll heißen: Die Unternehmen erhoffen sich ein besseres Geschäft, wenn sich ihre Kunden wegen individueller Klingeltöne und Bildschirmanzeigen mit ihrem Telefon identifizieren.