Goldene Ära vorbei für deutschen IT-Servicemarkt

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Eine Konsolidierungswelle am deutschen Markt für Informationstechnik-Dienstleistungen erwarten Jost Hoppermann und Andrew Parker.

Eine Konsolidierungswelle am deutschen Markt für Informationstechnik-Dienstleistungen, die sich vor allem auf zahlreiche IT-Service-Tochtergesellschaften großer Industriekonzerne auswirken dürfte, erwarten Jost Hoppermann und Andrew Parker, Analysten des Research- und Beratungsunternehmens Forrester Research. Als Kaufinteressenten sehen sie neben den deutschen IT-Services-Marktführern wie T-Systems und Siemens Business Systems vor allem große internationale Beratungsunternehmen wie die neu benannte Capgemini oder Atos Origin.
In Deutschland haben, weit mehr als in anderen europäischen Ländern, große Konzerne in den vergangenen Jahren ihre Informationstechnik-Abteilungen als eigenständige Tochtergesellschaften ausgegründet, die für den Mutterkonzern, aber auch für Dritte, Dienstleistungen einschließlich der Anwendungsentwicklung sowie den Betrieb von Rechen- und Datenspeicher-Zentren anbieten – sie sollen nun vom Verkauf bedroht sein. Die zum Verkauf stehende Rag Informatik und die kürzlich an Hewlett-Packard verkaufte Triaton, Tochter von Thyssen, seien erste Beispiele hierfür.
 
Da die Aufwendungen für IT-Services in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Ansicht von Forrester nur noch langsam wachsen, nämlich bis 2008 im Jahresdurchschnitt um lediglich 7 Prozent, dürften nur wenige der IT-Services-Töchter großer Konzerne noch die Umsätze und Profitabilität vorweisen können, die in den 1990er Jahren erzielt wurden. Für die Muttergesellschaften stelle sich daher zunehmend die Frage, ob sie sich von ihnen trennen, sie verkleinern oder mit anderen zusammenführen sollen, glauben Hoppermann und Parker.

Hingegen soll der VW-Konzern eher die Aktivitäten seiner IT-Services-Tochter Gedas auf die Deckung der Bedürfnisse des Haupthauses zurückfahren, als sich für einen möglicherweise überhasteten Verkauf entschließen. Weitere Zusammenschlüsse der IT-Services-Töchter verschiedener Konzerne böten hingegen nur wenigen Unternehmen Chancen, große, eigenständig überlebensfähige Einheiten zu schaffen, heißt es bei Forrester.
 
Kaufinteresse für deutsche IT-Services-Töchter sehen die Analysten auch bei IBM oder CSC Computer Sciences. Im Gegenzug würden sich führende Anbieter wie Siemens Business Services und T-Systems zu Zukäufen gezwungen sehen, um ihre Stellung am für sie überlebenswichtigen deutschen Markt für IT-Services zu verteidigen.