Microsofts Longhorn-Pläne sind begradigt

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Hoffentlich sind die Jahre, die zwischen der XP-Produktfamilie und dem Longhorn liegen sollen, gut genutzt – Anwender wünschen sich wie ehedem verbessertes Patch-Management.

Auch wenn es nach Aussagen von Stefan Ropers, Direktor Business Group Server bei Microsoft Deutschland, auch nächstes und übernächstes Jahr noch etliche größere Projekte für Windows Server 2003-Migrationen geben wird – “weil die Kunden die Release-Zyklen von Microsoft nicht immer beachten” -, der Longhorn kommt als Nachfolger heran. Aber erst 2007, nicht wie zuvor angekündigt im Spätsommer 2006. Das sagte das Microsoft-Top-Management diese Woche.
An der Verspätung ist nach Aussagen von Jim Allchin, Group Vice President Platforms in der Microsoft-Zentrale vor allem eine ausgefeiltere Sicherheitstechnik schuld. Sie soll die lange gehegte Idee einer Firewall auf der Client-Seite auch auf die Server-Seite übernehmen. Das heißt, es gibt ab der neuesten Version des Windows Server 2003 eine Art Quarantänestation für Peripheriegeräte und mobile Systeme. Diese und weitere noch unspezifizierte Funktionen sollen das Release im Jahr 2007 zum Großereignis machen.

“Es ist schwierig geworden heutzutage, ein Betriebssystem herauszubringen. Die Applikationen sind schwieriger als sie es sein dürften und außerdem interagieren sie viel mehr untereinander. Das macht es für die Treiber schwer, ihre Aufgabe zu erfüllen”, so Allchin. Daher habe Microsoft auch vor kurzem ein neues Set-up für die Softwaretreiber gebracht, das er den Kunden noch einmal dringlichst ans Herz legte. In realistischer Einschätzung der “Release-Zyklen beim Kunden” setzte er hinzu, dass dieses Set-up alle Versionen bis hinunter zu Windows 2000 unterstütze. Doch die Kunden äußern, auch wenn sie als Referenzkunden gehandelt werden wie neulich auf einer Veranstaltung in München, ihre Bedenken bezüglich des Patch-Management und – der Sicherheit.

Diesbezüglich scheint etwas Neues auf die Softwarewelt zuzurollen, die genannte ‘Quarantäne’. Sie wird bereits in dem für nächstes Jahr avisierten Update für den jetzt genau ein Jahr alten Windows Server 2003 ausprobiert. Allchin: “Wir haben die Kernkompetenz der Isolation eingebaut.” Darunter verstehe der Konzern eine Möglichkeit, die Firewall auf den Server zu verlegen und dies so, dass externe oder mobile Geräte beim Anschließen schon durch eine Reihe von vorher bestimmten Security-Checks läuft, bevor ihnen erlaubt wird, mit den Firmendaten zu ‘sprechen’. Das könnten, so der Manager, Updates sein, neue Antivirensoftware oder Patches, die automatisiert aufgespielt würden, um den Laptop oder den PDA sauber fürs Firmennetz zu machen. Auch die Small Business Server-Updates seien künftig mit dieser Kernfunktion ausgestattet, an der Microsoft zusammen mit seinen Netzwerkpartnern – üblicherweise Cisco – arbeite.

Das 2005 kommende Update mit dem Projektnamen ‘R2’ soll auf dem “demnächst marktreifen” Service Pack 1 aufbauen und gilt als erster Ersatz für die bisherigen Microsoft Feature Packs, die mit schöner Regelmäßigkeit für die Releases im Web verfügbar gewesen waren. Ab dem genannten Update will Microsoft nur noch Updates und Service Packs bringen. Ferner sollen die künftigen Versionen immer gleichzeitig mit den Client-Versionen kommen. Der Longhorn gilt hierfür als erstes Testfeld. Das soll den gegenseitigen Absatz ankurbeln, bei Microsoft heißt das “Synergieeffekte zwischen  Client und Server”.

Dabei sieht die Zeitleiste, an der sich die Kunden ja orientieren sollen derzeit so aus: In diesem Jahr noch kommen die 64-bit-Funktionalität und das Service Pack 1 für den Windows Server 2003. Nächstes Jahr gibt es die erste Betaversion für den Longhorn und das Update ‘R2’. Im Jahr 2006 soll es dann die zweite Betaversion für den Longhorn und das Service Pack 2 für den Server 2003 geben (ob der dann umbenannt werden wird in ‘2005’ ist eine Frage, die die Vertriebler den Kunden wohl bis dann öfter beantworten müssen). Microsoft sieht im Jahr 2007 dann die Vollversion des Longhorn auf die Kunden zutraben und 2008 oder später – darauf weist die aktuelle Präsentation von Bob Muglia, Senior Vice President Server, ausdrücklich hin – folgen dann ein erstes Update mit sämtlichen Suchfunktionen sowie ein erstes Service Pack für den Longhorn. Diese Ausgaben könnten zeitlich aber auch mit dem für 2010 angekündigten Nachfolger mit dem Projektnamen ‘Blackcomb’ zusammenfallen, über den bis dato wenig bekannt ist.

Bei diesen Schritten will sich Microsoft eine Art Rhythmus angewöhnen, in den die Kunden dann als trittsichere Tanzpartner einfallen sollen: alle zwei Jahre ein Release-Update und alle vier Jahre ein ‘Major Release’. Das kann eine Vollversion sein, oder, wie im Falle des Server 2003, auch nur ein Service Pack. Versprochen hat Microsoft aber, dass die jeweils neu eingeführten Funktionalitäten und Patches von Version zu Version mitgenommen werden sollen, das waren die Worte von Server-Produktmanager Samm DiStasio. Ein separat geführter Bug-Fix-Dienst soll die “Unwägbarkeiten auffangen”. Das klappt nicht immer, weiß hingegen Thomas Traidl, derzeit Projektleiter bei der BayWa. Bei der Einführung von Windows Server 2003, so erzählt er, seien Fehler wieder aufgetaucht, die eigentlich schon in Exchange 2000 Service Packs behoben gewesen waren und die deshalb niemand für möglich gehalten hatte. Das habe sehr viel Zeit gekostet. Glaubt man der Roadmap, kommt so etwas nicht mehr vor.

To be continued …