Neu bei Online-Jobbörsen: ‘Geldwäscher gesucht!’

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Heute in den USA und morgen in Europa sind Kriminelle unterwegs, die ungewollte Geldwäscher anheuern – über ganz legale Jobbörsen.

Neue Geschäftsmodelle schaffen neue Spielarten des Verbrechens: Heute in den USA und morgen in Europa sind Kriminelle unterwegs, die ungewollte Geldwäscher anheuern – über ganz legale Jobbörsen. Diese Form des Betrugs verbreitert sich immer mehr. Die Opfer sind bestohlen oder betrogen, der Schaden für sie und die Jobbörsen im Internet ist enorm.
Nach einem Bericht der New York Times heuern Verbrecherringe mit der Verlockung von nicht einmal überdurchschnittlich bezahlten Halbtags- oder Studentenjobs Ahnungslose an. Eine mittlerweile sattsam bekannte Masche geht demnach auf gestohlene Kreditkarten zurück: Die neuen ‘Angestellten’, mit denen per E-Mail verkehrt wird und die ihre Chefs nie zu Gesicht bekommen, vereinbaren vertraglich, dass sie Geld transferieren sollen. Von einem Konto, das der ‘Arbeitgeber’ nennt (also das mit der gestohlenen Kreditkarte verbundene) heben sie mit Vollmacht und Passwort ausgestattet treuhänderisch einen vereinbarten Betrag (meist alles) ab. Diesen Betrag überweisen sie dann auf ein Konto, das ebenfalls der ‘Arbeitgeber’ nennt. In der Regel gibt es pro Transaktion einen prozentualen Anteil plus ein geringes Festgehalt.

Was sich bei einer Beschreibung wie ein eindeutig erkennbarer Betrug anhört, ließ aber bereits viele Studenten in den USA mit Strafverfahren wegen Geldwäscherei und horrenden Schulden zurück. Möglich mache den Missbrauch, so heißt es, die international verflochtene Wirtschaft: Beispielsweise habe ein solcher Betrüger sich per Stellenanzeige als Vertreter einer Softwarefirma ausgegeben, die bei Verkauf von Lizenzen die finanzielle Transaktion von der lokalen auf die zentralen Konten und umgekehrt tätigen müsse. Aus steuerlichen Gründen, so hieß es ganz plausibel, müsse ein Zwischenschritt in den USA eingelegt werden. Die Geprellten sind dabei neben den Bestohlenen natürlich auch die Betrogenen, auf die Schadenersatzforderungen und Strafanzeigen zukommen.

Und die Stellenbörsen selbst sind auch geschädigt, sagt Juliana Deeks, Analystin bei Jupiter Research. “Job-Sites wie Monster und andere sollten wegen der Gefahr eines Vertrauensverlustes große Angst haben. Denn die Firmen und Marken sind relativ neu und auch sehr bekannt, aber wenn es um solche Dinge geht, sind sie auch sehr verwundbar.” Sie rät den etablierten und seriösen Stellenbörsen dringend, sich technisch nachzurüsten, ein zuverlässiges Screening für Stellenanbieter wie auch Suchende einzuführen und sich sogar für eine Zertifizierung an unabhängige Stellen zu wenden. Sonst, so Deeks, könnten die Umsatzströme, die derzeit bei etwa 800 Millionen Dollar im Jahr liegen und deutlich steigen sollen, bald nicht mehr von den weltweit aktiven Stellenbörsen generiert werden.