Deutsche Telekom blickt begehrlich nach Osten

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Der Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke will den Schuldenberg des ehemaligen Staatsbetriebs offenbar weiter erhöhen.

Der Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke will den Schuldenberg des ehemaligen Staatsbetriebs offenbar weiter erhöhen: Auf der Hauptversammlung sagte er den 7000 anwesenden Aktionären, dass die Divende dieses Jahr zwar ausfallen werde, gerade wegen des Schuldenabbaus. Doch im laufenden Jahr will der Konzern, wie die ganzen 90er Jahre hindurch, wieder im Osten Europas zukaufen.
Ricke bekräftigte in seiner mehr als einstündigen Rede, dass der Konzern auf diese Weise wachsen wolle. “Dies gilt insbesondere für Osteuropa, wo wir mit unseren Tochtergesellschaften schon sehr gut aufgestellt sind”, sagte Ricke. Er erneuerte das Interesse an Polens Mobilfunkanbieter PTC, an dem die Telekom bereits 49 Prozent hält. Die Versuche, PTC ganz zu übernehmen, sind bislang fehlgeschlagen. Die Telekom hält in Kroatien, Ungarn, Slowakei, Tschechien und Mazedonien Mehrheitsbeteiligungen an den Festnetz- und Mobilfunkanbietern mit jeweiliger Monopolstellung oder überwiegender Marktdominanz. In Russland, Polen und Tschechien strebt die Telekom eine deutliche Ausweitung ihres Einflusses an, den sie bereits bei Mobilfunkfirmen besitzt.

Ricke stimmte die Aktionäre darauf ein, dass das laufende Geschäftsjahr erneut “kein einfaches Jahr” werde. Das Konjunkturumfeld sei schwierig, die Telekom sei hohem Wettbewerbsdruck durch andere Anbieter insbesondere im Ortsnetz ausgesetzt. Ein Überschuss solle jedoch nach zwei Jahren ohne Dividende wieder eine Ausschüttung erlauben. Beifall erntete Ricke für einen Lohnverzicht des Vorstands, um Kosten zu sparen.

Aber Kritik gab es auch. “Unseres Erachtens nach gehören die Säulen (der Telekom) ins benachbarte Römisch-Germanische Museum und sollten dem Beispiel der France Telecom, einer Verschmelzung der Geschäftseinheiten, weichen”, sagte Fondsmanager Ralf Oberbannscheidt von DWS. Ricke hatte einer “radikalen Umorganisation” der vier Sparten Festnetz, Mobilfunk, Internet und Systemintegration zuvor eine klare Absage erteilt. Die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS ist mit 57 Millionen Telekom-Aktien nach dem Bund die größte Anteilseignerin.

Er mahnte zudem: “Vergessen Sie nicht, uns Aktionäre mit einer angemessenen Dividende für unser Warten der letzten Jahre zu belohnen.” Von überteuerten Akquisitionen riet er ab. Die Investoren störe es, wenn “bei sämtlichen Übernahmegerüchten immer wieder auch der Name Deutsche Telekom auftaucht”.