Open Source: CA empfiehlt sich als Oracle-Alternative

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Der Softwarekonzern Computer Associates will durch Open Source, Hosting und mobile Lösungen nicht nur das Image pflegen, sondern selbst Kosten sparen.

Computer Associates (CA) stellt sich auf die Zukunft ein. Mit Open Source für die nicht sehr weit verbreitete Datenbank ‘Ingres’, mit mobilen Content Management-Lösungen und selbstverständlich mit einer noch sehr theoretischen Einordnung der ‘Brightstor’-Produktlinie in die Idee des Information Lifecycle Management – damit lenkt CA vordergründig von den Querelen mit den Finanzbehörden, den Umbesetzungen im Management und den Skandalen der letzten Jahre ab. Doch hinter den Neuerungen steckt ein ausgeklügeltes strategisches System für Umsatzwachstum und Technikführerschaft.
Beides will der Anbieter von Unternehmenssoftware so billig wie nur möglich erreichen, so scheint es. Gerade die Open Source-Initiative geht in diese Richtung, denn die Datenbank, die bisher nur einen geringen Marktanteil hatte und der sich auch unternehmensintern bislang nur wenige Entwicklerkapazitäten gewidmet hatten, soll nun quasi mit fremder Hilfe aufgemöbelt werden. Den Kostenvorteil, den eine offene Weiterentwicklung bringt, will der Konzern dann allerdings an seine Kunden weitergeben.

Wie Mark Barrenechea, Senior Vice President für Produktentwicklung bei CA, auf der Anwenderkonferenz CA World in Las Vegas sagte, werde dafür eine eigene offene Lizenz verwendet: Die relationale Datenbank soll unter der ‘Trusted Open Source License’ (CA-TOSL) als ‘Ingres for Linux’ freigegeben werden. CA-TOSL gilt dabei als ein Derivat der Common Public License (CPL). Und sie soll die beobachtete Open-Source-Welle in den Unternehmen für CA nutzen, sagte Barrenechea. CA will den CIOs, die sich einen Einsatz offener Software überlegen, eine “vertrauenswürdige Grundlage und Planungssicherheit beim Quellcode” bieten. Für MySQL, PostgreSQL sowie andere Opensource-Datenbanken könnte der Gigant damit zur ernsthaften Konkurrenz werden.

Auch deshalb hat der Konzern beispielsweise mit Jboss, dem Zope-Projekt und dem Projekt Plone mehr Zusammenarbeit angekündigt. Dabei gilt Plone als CA-nahe Gründung. Plone heißt auch ein unter dem Projekt entwickeltes Open Source Content Management System unter GPL Lizenz. Es soll zum Beispiel für das Speicherprodukt Brightstor neue Wege weisen. Für Sam Greenblatt, den Chief Architect der offenbar neu geschaffenen Linux Technology Group bei CA ist klar, dass bald alle Managementsoftware-Produkte des Herstellers unter einem der Open Source-Projekte verfügbar sein werden. Dafür würden jetzt schon die Suiten optimiert, sagte er.

Ferner will CA auch einen Beitrag zum Linux-Kernel direkt leisten: Bis zum Herbst, so heißt es aus Nevada, soll eine Software namens ‘Kernel Generalized Event Model’ in den Linux-Entwicklungsprozess eingebracht sein und als Teil der neuen Kernel-Version vor allem Security-Features darstellen. Außerdem will CA so einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Linux-Welt und die Verwaltungssoftware im Unternehmensalltag technisch besser verstehen.

Für den Alltag der CIOs und Admins geschaffen scheint auch die neue WLAN Management Software ‘Unicenter Wireless Site Management (WSM) System’. Die Anwendung, die es vorerst nur als Betaversion gibt, soll vor allem für den Schutz von Wireless LANs (WLANs) vor unberechtigtem Zugriff sorgen. Auch hier legt CA großes Engagement an den Tag. Der Vorstoß soll für alle Unternehmenskunden interessant werden, die einen Teil ihrer Belegschaft mit Laptop oder PDA ausgestattet haben. Konkurrenzprodukte sind hier vor allem IBM Tivoli, BMC und Hewlett-Packards OpenView-Reihe.

Doch damit nicht genug: CA gibt sich auch im Hosting-Umfeld Mühe und hat daher die ‘Web Services Distributed Management Software’ angepasst. Sie gebe es nun nicht mehr wie gehabt nur als klassische Implementierung mit Lizenzabrechnungen, sondern auch als gemietete Software, die physisch in einem CA-Rechenzentrum liegen und gewartet werden soll. Bei CAs Chief Technology Officer Yogesh Gupta heißt dies: “Wir schaffen damit zusätzliche Produkte, für die wir keine physikalische Präsenz zeigen müssen; in so manchen Bereichen halten wir diesen Weg für durchaus lohnenswert.”

Also auch dies ist offenbar eine strategische Entscheidung für modernere, schlankere Lösungen, die sich eher an den Bedürfnissen der Kunden und ihren Geldbeuteln orientieren. Wie die Analysten bereits tönen, bietet sich der selbsternannte viertgrößte, aber vor allem technisch unabhängige Softwarehersteller mit alldem als ernsthafte Alternative zu Microsoft, Oracle, SAP und IBM Software an.