Rumsfeld und das Handyverbot im Irak: Satire und Realität verwischen schnell

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Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat alle Kamerahandys von Soldaten im Irak verboten

“Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat alle Kamerahandys von Soldaten im Irak verboten”, schrieb die satirische Online-Zeitung‚ TheDailyFarce Anfang Mai, ohne Aufsehen zu erregen. Jetzt aber haben andere, seriöse und ernst meinende Pressevertreter die gleiche Geschichte berichtet. Ob der Vorgang stimmt, ist unklar. Klar ist allerdings, dass Rumsfeld möglicherweise in Zugzwang kommt aus Angst, die Soldaten könnten da auf eine Idee gebracht worden sein. Oder vielleicht haben sie diese Idee schon in Betracht gezogen und es existieren bereits Bilder wie die Folterfotos misshandelter Iraker, die mit Kamerahandys gemacht worden sind.
Die französische Presseagentur AFP zitierte am 23. Mai eine Pentagon-Quelle, die sich gegenüber dem britischen Magazin ‘The Business’ geäußert haben soll, mit den Worten: “Digitale Kameras, Camcorders und Kamerahandys sind in den militärischen Anlagen im Irak verboten worden.” Die vollständige Verbannung der Geräte aus den US-Basen werde vorbereitet. Andere Publikationen wie das australische ‘news.com‘-Portal sprangen auf den Zug auf, ebenso wie die ‘Washington Times‘. In der US-Zeitung ‘Kansas City Star’ ging die Geschichte weiter und ein Reporter fand heraus, dass die Soldaten tatsächlich Bilder und Videos mit ihren Kamerahandys machen und niemand diese zensiert. Die Satire-Story könnte zur Realität werden.

Nach den Worten des Reporters vom Kansas Star machten sich die Soldaten keine Gedanken über die Zensur, weil sie dachten, es geschehe ohnehin. Problematische Bilder würde sowieso herausgefiltert auf ihrem Weg durch das Internet. “Falsch”, schreibt der Journalist. Niemand sehe sich an, was die Soldaten mit ihren Handys da versendeten.

Und selbst wenn es eine entsprechende Regelung gebe, könne sie kaum Erfolg haben. Das leuchtet ein. Denn wer will wie kontrollieren, dass kein Soldat im Irak mehr ein Handys mit Kamera bei sich führt? Das wäre die klassische Suche der Stecknadel im Heuhaufen.

Der ‘DailyFarce’ hatte Rumsfeld ‘zitiert‘  – was natürlich erfunden war – mit den Worten: “Um die irakischen Gefangenen vor weiteren Misshandlungen zu schützen […] werden Kamerahandys verboten.” Dieses Argument wird er wahrscheinlich hinten anstellen. Ganz oben steht wohl eher der Ruf des Landes und des US-Militärs und die Angst um seinen eignen Job.