Linuxtag: Microsoft stellt sich der Gemeinde

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Linux-Anbieter haben die öffentlichen Verwaltungen als Kunden erkannt. Hier ist der Microsoft- Anteil jedoch noch besonders hoch. Europas beliebteste Linux-Messe entscheidet.

Wieder Rekorde: Der Linuxtag 2004 hat gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Zuwachs erhalten. Etwa 150 Firmen, laut Veranstalter 15 Prozent mehr als im Vorjahr, und einige Dutzend freie Projekte stellen sich dem Fachpublikum, das wieder Zigtausende nach Karlsruhe locken dürfte. Neben Apple, SAP, Sun Microsystems, Oracle, Veritas und Hewlett-Packard, dem BSI, der Antivirengarde von Kaspersky Labs und den großen Linux-Unterstützern vertreten durch IBM, Suse, Linux/Novell kann der Linuxtag 2004 auch mit einem Überraschungsgast unter den Ausstellern aufwarten: Microsoft hat sich in die Höhle des Löwen gewagt und einen eigenen Stand angemeldet.
In ersten Newsgroups sowie auf der Messe wird bereits ironisch dazu aufgerufen, den Stand des Linux-Gegenspielers im Betriebssystembereich zu besuchen. Dort sei “nichts los, und das ist noch übertrieben”, sagt ein Messebesucher. Für Microsoft war der ersten Teilnahme am angeblich größten europäischen Event für Freie Software ein Engagement auf ähnlichen Messen in anderen Ländern vorangegangen. “Wegen der zunehmenden Konkurrenz alternativer Software sah sich der Redmonder Konzern gezwungen, nach Karlsruhe zu kommen und Lösungen vorzustellen, mit denen die verschiedenen Betriebssysteme verbunden werden können”, sagte Linuxtag-Sprecher Andreas Gebhard. Gezeigt würden auf der Messe Technologien, die Microsoft überflüssig machen. In den USA sei das Unternehmen aber schon seit geraumer Zeit bei zahlreichen Linux-Events vertreten.

Angesteckt durch die wachsende Linux-Begeisterung von mehreren Stadtverwaltungen in Europa, darunter von München, Schwäbisch-Hall, Paris, Wolfsburg, Bergen und anderer, haben sich die Aussteller offenbar auf diesen Kundenkreis eingependelt. So dreht sich folglich in Karlsruhe alles um die Zusammenarbeit mit den Kommunen. Messeauftritte und Redebeiträge beim angeschlossenen Kongress beschäftigen sich mit der Entwicklung und Anwendung von Software in diesem Kundenkreis.

An der Beteiligung der potentiellen Kunden bei den Vorträgen wird sich genauer ablesen lassen, wie weit sich die Besucher schon mit entsprechenden Vorschlägen an den Vorstand oder Finanzchef herantrauen. Die Veranstalter gehen davon aus, dass die hohe Anzahl von Experten aus 20 Ländern hier gute Antworten für das Umschiffen von Alltagsproblemen mit einer Microsoft-freien Umgebung bereithalten wird. Das Innenministerium als Schirmherr einer Vortragsreihe fungiere dabei eindeutig als Zugpferd.

“Gründe für den starken Zuspruch sind die hervorragenden Businesskontakte sowie das einzigartige Konzept des Linux-Tages als Business-Event und Informationsplattform. Zahlreiche IT-Anbieter sehen den Linux-Tag als den Pflicht-Event an. Dies zeigt sich auch bei der Vielzahl an Anmeldungen von Unternehmen, die bisher noch nicht auf dem Linux-Tag vetreten waren”, so Thomas Grieshaber, Projektleiter der Linux-Tag-Ausstellerbetreuung. Für Gebhard ist klar: “Das Jahrzehnt der freien Software ist angebrochen.” Bei Internetservern habe Linux bereits einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent. Der Bereich der Fachanwendungen spiele auch eine immer größere Rolle.