Von Partnerbörsen und Schweinehälften

Enterprise

Es müssen wirklich furchtbare Marktwirtschafts-Frankensteiner sein, die über die vitalste Sache der Welt in der Begrifflichkeit von Angebot und Nachfrage daherreden.

Es müssen wirklich furchtbare Marktwirtschafts-Frankensteiner sein, die über die vitalste Sache der Welt in der Begrifflichkeit von Angebot und Nachfrage daherreden.  Den Gedanken, der hinter der Verwendung des Worts “Börse” steht, konsequent zuende und damit ad absurdum zu führen, verbietet ja allein schon der gute Geschmack.
Aber auch der in diesem Zusammenhang durchaus gebräuchliche Begriff “Partner” ist arg daneben. So jemand ist schließlich einer, mit man sich zum Zweck der Profitmaximierung zusammentut, und nicht zu jenem der Optimierung von Lust und damit verbundener anderer Lebensfreuden.

Zugegeben, man kann von einem blutleeren Dot.com-ler nicht die Sprachgewalt der heiligen Schrift erwarten, die beispielsweise für etwas, das man ansonsten in Ermangelung eines angemessenen Begriffs als “Anbahnung zwischenmenschlicher Beziehungen”  bezeichnen müsste, das wunderschöne Wort “buhlen” gebraucht. Aber auch in der IT-Terminologie könnte man vieles, was damit zusammenhängt, beschreiben – exakt, wenn auch, zugegebener Maßen, sprachlich nicht immer ganz adäquat.

Den Unterschied zwischen Mann und Frau zum Beispiel: Männer implementieren eine einfache, lineare Logik. Sie sind robust und fehlertolerant und entsprechen mehr oder weniger alle dem Standard. Wie Off-the-shelf.

Weil sie demzufolge leicht zu handlen sind, werden sie von den großen Administratoren unter ihnen gerne zur Abarbeitung von Routinen und von einfachen Tasks eingesetzt. Jobs, die in Business, Krieg und Politik halt so anfallen.

Dass Business Krieg ist und Krieg offenkundig immer noch die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln, zeigt die Schlichtheit der implementierten Logik. Eigentlich tun Männer immer das gleiche. Und das ist nichts Kompliziertes.

Frauen hingegen sind immer etwas besonderes. Und vor allem wollen sie so behandelt werden. Ihnen obliegt es – gemäß dem traditionellen Rollenverständnis – die NGS (Next Generation Systems) zu entwickeln. Was eine sehr viel anspruchsvollere Aufgabe ist, als Kohle zu machen, Politik oder fremde Länder kaputt.

NGS pflegen auf einen logischen Request vorzugsweise mit einem DoS (Denial of Service zu antworten – während eines Großteils ihrer Entwicklungszeit, etwa in der Pubertät, die sich meist unmittelbar an die Trotzphase anschließt.

Frauen halten derartigen DoS-Attacken stand. Männer nicht.

Nun hat Performance ja aber immer auch ihren Preis. Beispielsweise brauchen Frauen fürs Tuning sehr viel länger.

Deswegen sollte man unsachverständige Einwände der Form “Du Schatz, wir müssten jetzt aber wirklich bald…” lieber unterlassen. Eine Frau ist schließlich kein Echtzeitsystem.

Highly sophisticated ist auch die weibliche Kommunikation. Je länger man sie kennt, desto häufiger verwenden Frauen ein Protokoll, dessen Verständnis die profunde Kenntnis weiblicher Fuzzy-Logik voraussetzt: Wenn Frauen nölen – was insofern tautologisch ist, als dass Männer derartiges gar nicht können – dann vermeiden sie es, die Zielvariable eindeutig zu benennen.

Sie umschreiben sie statt dessen unscharf mit Worten wie “wenigstens”, “das mindeste wäre gewesen” und “nicht einmal… hast du”. Dies ermöglicht es ihnen, auf den höheren Protokoll-Layern sehr effizient die Botschaft von einer Art virtuellen Verärgerung zu verbreiten, also einer ungnädigen Stimmung, die nicht von irgendwelchen konkreten und damit trivialen Gründen abhängig ist.

Männer verstehen sowas nicht. Die m- und die f-Versionen des Menschen fahren bei der Intersystem-Kommunikation eben grundsätzlich verschiedene Protokoll-Stacks. Und bislang ist kein Gateway erfunden worden, das in der Lage wäre, den Informationsaustausch zwischen beiden Welten zuverlässig zu gewährleisten.

Das Paradoxon der heterogenen zwischenmenschlichen Kommunikation halt: Manchmal geht in so einem bipolaren Human-Cluster nichts mehr – weniger noch: überhaupt gar nichts.

Und dann wiederum, bei einer entsprechenden Systemumgebung, erreicht der Interconnect von 100prozentig inkompatiblen Protokollen Performance-Peaks, wie sie theoretisch überhaupt nicht möglich sind. Innerhalb eines halben Takts, also während eines Augenaufschlags, synchronisieren die beiden ihre Schedules, um ein tightly coupled System zu bilden für eine Woche, ein Jahr, mehrere Jahrzehnte oder vielleicht sogar bis an ihr Lebensende – mindestens jedoch für eine Nacht.

Und dann kommen irgendwelche IP-basierten Sprachverhunzer daher und wollen sowas von einer Site aus initialisieren, die heißt, als würde man dort mit Unternehmensbeteiligungen, Schuldverschreibungen oder Schweinehälften handeln.

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