US-Firma handelt mit persönlichen Daten

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Datenschutz in den USA hat einen anderen, offenbar keinen, Stellenwert in der Gesellschaft.

Während Deutschland im RFID-Datenfieber oder -Horror steckt und sich überlegt, ob kaufcharakteristische Daten der Kunden gespeichert werden dürfen, hat sich in den USA schon ein regelrechten Markt für persönliche Daten entwickelt. Dort werden derlei Informationen von einem privaten Unternehmen gesammelt und verkauft. Alles völlig legal.
Seit April gibt es bei der Firma LocatePlus einen neuen Service, nämlich eine speziell zusammen gestellte Datenbank für die Regierung und die Justizbehörden. Für eine Gebühr von 74,99 Dollar im Monat können sie Daten abrufen, darunter Informationen wie Handynummer, Adressen, KFZ-Zeichen, Vorstrafenregister oder Eigentumsverhältnisse. Der Preis liege im Übrigen 60 Prozent unter dem Betrag der Konkurrenz.

Auf die Idee, dass es hier datenschutzrechtlich ordentlich daneben geht, kommt offenbar kaum jemand. Sowohl das Wall Street Journal als auch der Nachrichtensender CNN loben die schwindelerregende Geschäftsidee. Mit einer Selbstverständlichkeit wird da vom Einsatz von Blackberry-Handhelds (tragbaren Geräten mit Internet-Zugang) erzählt, die jetzt den mobilen Zugriff auf die Datenbank von Sicherheitskräften auf dem Bostoner Flughafen erlauben und davon, dass LocatePlus Informationen von 98 Prozent der amerikanischen Bevölkerung gesammelt hat. Das Unternehmen rühmt sich außerdem damit, sogar Informationen über 95 Prozent der nicht-registrierten Handynummern zu besitzen und macht den Leser auf der eigenen neugierig Webseite: “Wussten Sie, dass 40 Prozent der Handynummer in Kalifornien nicht im Telefonbuch stehen? Jetzt können Sie dennoch darauf zugreifen”.

Geschickterweise versteckt die Firma LocatePlus ihr Handeln unter dem Deckmantel der Terroristenbekämpfung. Das zieht in Zeiten wie diesen immer und erlaubt in Übersee so ziemlich alles. Von dem Sammelsurium erhoffen sich das Heimatschutzministerium, Sicherheitsdienste oder private Ermittler Aufschlüsse und Fortschritte im Kampf gegen Terrorismus. Wasserdicht ist die Sache nach Ansicht der US-Behörden offenbar. Das Unternehmen beruft sich unter anderem auf ein Gesetz, das Justizbehörden, Versicherungsfirmen, privaten Ermittlern und ‘verwandten Geschäftsbereichen’ Zugriff auf private Daten von Bürgern erlaubt. Hierzulande wäre allein das Sammeln schon verboten, auch wenn mancher deutscher Politiker daran etwas ändern will. Dass eine privat gehaltene Firma aber diese Informationen auch noch legal verkaufen und damit Geld verdienen darf, ist hier derzeit undenkbar und bleibt es hoffentlich auch.