Microsoft baut Technik-Portal für Regierungen

Management

Damit Linux nicht nach und nach in alle Behörden einzieht, hat Microsoft eine eigene Abteilung gegründet, die zum Ziel hat, auf öffentliche Kaufentscheidungen Einfluss zu nehmen.

Damit Linux nicht nach und nach in alle Behörden einzieht, hat Microsoft eine eigene Abteilung gegründet, die zum Ziel hat, auf öffentliche Kaufentscheidungen Einfluss zu nehmen. Eigens dafür abgestellte Chief Technical Officer (CTO) sollen den IT-Managern der Behörden die Microsoft-Lösungen nahe bringen. Zusätzlich will Redmond ein eigenes Portal für Regierungen und Verwaltungen aufbauen, um Technologien von Microsoft und anderen Partnern bereitzustellen. Schließlich sollen Software-Pakete auf europäische Regierungen zugeschnitten werden.
Dafür hat der Konzern mindestens vier gute Gründe: Zum einen gibt es das harte Urteil der europäischen Wettbewerbswächter. Viele Regierungen wollen sich zudem nicht von einem einzelnen Hersteller abhängig machen, denn viele Dokumente müssen zum Teil über Jahrzehnte archiviert werden. Deswegen wird auch in verschiedenen Verwaltungen nicht nur über offene Software diskutiert, sondern auch vermehrt eingesetzt. Zudem sei jede Regierung in jedem Land der größte Einzelkunde, sagte ein Microsoft-Sprecher. 

Analysten sind sich einig, dass Microsoft gerade im öffentlichen Bereich einen Image-Wandel bitter nötig habe. Denn gerade hier werde Windows immer mehr von Linux abgelöst. Microsoft solle nicht mehr als Global Player auftreten, sondern vermehrt als lokaler Anbieter wahrgenommen werden, empfehlen die Fachleute. So habe der Konzern bessere Chancen sich gegenüber Linux zu behaupten. Die Entscheidung der Stadt München, die Verwaltungs-IT auf Open Source umzustellen, hatte für Linux gewaltige Signalwirkung. Neben anderen Städten evaluiert auch Paris derzeit den Einsatz des Open-Source-Betriebssystems für die Stadtverwaltung.

Die wahre Bedrohung für Microsoft sei allerdings nicht das Betriebssystem Linux selbst, das derzeit über eine installierte Basis von etwa 3 Prozent bestreitet, sondern das Vertriebsmodell. “Wenn das Support-Modell von Open-Source-Software weite Verbreitung finden würde, dann würde Microsofts Geschäft eingehen”, erklärte ein Analyst in US-Medien.

“Wir begrüßen die Wahlmöglichkeit. Wir haben kein Problem mit dem Linux-Betriebssystem, aber wir haben ein Problem mit dem Lizenzmodell, das es nicht erlaubt in Forschung und Entwicklung zu investieren, und die Investitionen wieder zurückzugewinnen, damit eine blühende IT-Landschaft aufgebaut werden kann”, sagte Jonathan Murray, Vize-Präsident bei Microsoft und CTO für Europa.