Kampf gegen Spam: Microsoft kommt Open Source entgegen

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Im Bemühen ein wirksames Mittel gegen Spam-Mail zu etablieren, hat Microsoft der Open-Source-Community zwar nicht die Hand, aber immerhin einen kleinen Finger gereicht.

Im Bemühen ein wirksames Mittel gegen Spam-Mail zu etablieren, hat Microsoft der Open-Source-Community zwar nicht die Hand, aber immerhin einen kleinen Finger gereicht. So wurde die Lizenz für die Technologie zur Identifizierung von E-Mails, ‘Sender ID’,  leicht abgeändert, um die weitere Entwicklungen an dem Feature zu ermöglichen. Ob das genug für eine echte Zusammenarbeit ist, ist freilich noch unklar.
Hintergrund ist die Tatsche, dass Sender ID zwei frühere Standards kombiniert: Die von Microsoft entwickelte ‘Caller-ID’ und das ‘Sender Policy Framework’ (SPF) von Softwareentwickler Meng Weng Wong. Der kombinierte Standard wurde im Juni der ‘Internet Engineering Task Force’ (IETF) vorgelegt und wird dort derzeit von der MARID-Arbeitsgruppe (MTA Authorization Records in DNS) geprüft. Problematisch ist vor allem, dass zwei unterschiedliche Lizenzmodelle zu Grunde liegen.

SPF wird vor allem von Open-Source-Providern wie Sendmail, Postfix und Qmail eingesetzt und wird hier genauso behandelt – eben als Open-Source-Software. Caller-ID wiederum kommt mit einer Lizenz, die zwar gebührenfrei ist, aber seit der Fusion der beiden Technologien Fragen aufwirft. Bei der IETF hat man sich deshalb inzwischen auf eine neue Lizenzvereinbarung geeinigt, die mit kleinen aber wichtigen Änderungen die Open-Source-Gemeinde beschwichtigen soll.

Die Neuerung richtet sich vor allem an die Endverbraucher. Nutzen sie eine Sender-ID-Variante, deren Quellcode von einem Softwareentwickler verändert wurde, müssen sie dafür keine Microsoft-Lizenz unterschreiben. Die alte Lizenzvereinbarung hatte in diesem Fall vorgesehen, dass auch der Endverbraucher Microsofts bestehende Caller-ID-Lizenz unterschreiben muss. Für Softwareentwickler ändert sich dagegen nichts – bevor sie Hand an die Technologie anlegen dürfen, müssen sie damals wie heute ihren Namen unter die Lizenz setzen.

Dem Gründer und Präsidenten der Free Software Foundation, Richard Stallman,  geht das aber nicht weit genug. Die von Microsoft verwendete Lizenz sei inkompatibel zu den Lizenzen für freie Software, gleich welche Lizenz zum Einsatz kommt, warnte Stallman in einer Mail an die MARID-Arbeitsgruppe. Freie Software bedeute, dass Nutzer die Möglichkeit haben, eine Software frei zu nutzen, zu verändern, zu untersuchen und zu verteilen, ohne zunächst einen anderen um Erlaubnis bitten zu müssen.

Die Lizenz sei ein Beispiel für Microsofts Strategie, freie Software als Alternative zu Windows auszuschalten, so Stallman weiter. “Erst patentiert Microsoft etwas, integriert es dann in ein Format oder Protokoll, versucht es obligatorisch zu machen, um dann diejenigen auszuschließen, die man ausschließen will.” Der Aufruf scheint jedoch zu verhallen. Bisherige Reaktionen auf der MARID-Mailingliste weisen darauf hin, dass sich das IETF als technische Institution sieht, die sich nicht mit politischen Belangen auseinandersetzt.