Ende der Softwarelizenzen – viel beschworen, aber noch fern

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Die Frage ‘Kaufen oder Mieten’ macht bei Software durchaus Sinn. Aber die Anwender müssen ihre Bedürfnisse genau kennen, sonst wird die billige Variante zur Mogelpackung.

Immer weniger Unternehmen wollen ihre Softwarelizenzen umständlich auf dem Laufenden halten, Millionen von Dollar für Updates und Migrationen zahlen und Dutzende Mitarbeiter mit der Verwaltung beschäftigen. Daher haben Mietsoftwarehersteller Aufwind. Auf einer Industriekonferenz in den USA wurde jetzt offiziell auch von Analystenseite ausgesprochen, was bisher nur die Anbieter von Mietmodellen verkündeten: Das Ende von Softwarelizenzen, wie wir sie kennen, scheint näher zu rücken. Doch die Verteidiger sind nicht nur im Lager der Traditionalisten zu finden.
Zumindest scheint der Microsoft-Konzern davon auszugehen. Das Unternehmen hat seine Lizenzpolitik jetzt noch einmal deutlich heruntergebrochen, damit sich mehr Unternehmen in der Blockpolitik der Windows-Welt wiederfinden können. Das sogenannte ‘Step Up’-Programm, das ursprünglich nur für einige Zeit gedacht war und wieder verschwinden sollte, wird jetzt offizielle Softwarelizenzpolitik bei Microsoft. Dahinter verbirgt sich die nutzerfreundliche Idee, dass Kunden, die bereits eine Lizenz für die Standardausgabe von Produkten wie BizTalk oder Server haben, fair und verbilligt auf die Enterprise Edition umsteigen können. Sie müssen, dank Step Up, nur noch die Differenzbeträge zwischen den beiden Lizenzen berappen und nicht mehr wie früher eine komplett neue Lizenz kaufen. Der Druck der Anwender hat Microsoft offenbar gezwungen, die eigene Lizenzpolitik in diesem Punkt noch einmal zu überdenken und die Kunden nicht mehr doppelt und dreifach auszusaugen – zumindest in diesem Punkt.

Ob solche Zuckerl allerdings dem Lizenzgedanken an sich zu überleben helfen, bleibt fraglich. Immer mehr Konkurrenten hat schließlich die Firma Salesforce.com (deren CEO beinahe den Börsengang gefährdet hätte, weil er nicht damit fertig wurde, das eigene Geschäftsmodell zu loben) mit ihrem Mietmodell das Leben schwer gemacht. “Salesforce.com hat CRM demokratisiert”, sagt Marc Benioff, Chairman und CEO bei dem Anbieter von komplexer CRM-Software zum Mieten. “Unternehmen jeder Größe – von Kleinstanbietern bis hin zu Fortune-500-Konzernen – erleben den Erfolg der CRM-Lösung von Salesforce.com. Die Welt geht über zu on Demand. Dadurch, dass wir uns ohne Unterlass darauf konzentrieren, jeden einzelnen unserer Kunden zum Erfolg zu führen, ist Salesforce.com zum Markt- und Technologie-Führer im Bereich CRM on Demand geworden.”

Wasser auf die Mühlen der “Lizenzen-sind-tot”-Propheten goss jetzt aber Jason Maynard, Analyst bei Merrill Lynch. Er sagte, das traditionelle Geschäftsmodell für Unternehmenssoftware sei brüchig und befleckt; Kunden wollten nicht mehr zweistellige Millionenbeträge zahlen, um die Systeme über die Jahre zu installieren und am laufen zu halten. Besonders nicht um ungeduldig in einer Art von globalem Wartezimmer auf die nächsten Ergebnisse aus den Labors von Microsoft zu warten.

Daher werde die Zahl derer wachsen, die für die Nutzung von Softwarecode einen zeitabhängigen Betrag an den Hersteller zahlen wollen. Der Vorteil dabei ist nebenbei noch, dass die Anwendung physisch gar nicht selbst im Haus läuft und gewartet werden muss, sondern ein externer Servicevertrag für reibungslose Nutzung sorgt. Der Vorteil dabei liege auch darin, dass die Kunden die Macht hätten, die Anbieter von solchen Modellen – mittlerweile für alle Arten von Enterprise Software erhältlich – gnadenlos zu bestrafen und zur Konkurrenz zu gehen, sobald sie ihre Updates nicht mehr durchführen. Viel effektiver als bisher würden die  Softwareunternehmen diesen Druck auch spüren, wenn alte oder neue Releases löchrig sind.

Einen echten Vorteil bei Lizenzverträgen haben derzeit laut den Branchenkennern offenbar nur geschickte Verhandlungspartner. Sie können mit Sonderkonditionen und genauen Vorab-Informationen über die vergleichbaren Konkurrenzprodukte zuweilen günstiger wegkommen. Immerhin wissen die Softwarehersteller, wie das Beispiel aus Redmond zeigt, mittlerweile auch, dass sich die Fragen der Kunden meist ums liebe Geld drehen.