Fraunhofer-Experten untersuchen Microsofts Offenheit

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Um Deutschlands Behörden von E-Government-Lösungen a la Microsoft zu überzeugen, hofft der Konzern auf Hilfe der Fraunhofer Gesellschaft. Sie soll beweisen, wie offen es in Redmond wirklich zugeht.

“Interoperabilität braucht offene Standards für die Schnittstellen, aber nicht Open Source.” So drückt es Microsofts National Technology Officer Walter Seemayer aus. Man könnte auch sagen: Wenn Microsoft im Wettbewerb gegen Open-Source-Lösungen weiter die Nase vorn haben möchte, dann sind offene Standards und offene Schnittstellen das Mindeste, was Redmond den Kunden bieten muss. Vor allem im Bereich E-Government. Eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut ‘Fokus’ in Berlin soll Microsofts Engagement jetzt mehr Gewicht verleihen.
“Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt darin, sogenannte offene Schnittstellen in den Produkten und Technologien von Microsoft zu identifizieren, die es ermöglichen, mit anderen Produkten Daten und Dokumente reibungslos auszutauschen”, sagt Berthold Butscher, stellvertretender Direktor des Frauenhofer-Instituts Fokus.

Es geht also darum, in einer Testumgebung alle relevanten Faktoren für eine Anwendungs-, Plattform- und Dokumenteninteroperabilität in verschiedenen technologischen Szenarien zu testen. Im Rahmen des Projekts sollen geeignete Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen Anwendungen auf Basis von Microsoft-, Java-, J2EE- und Open-Source-Plattformen und E-Goverment-Lösungen erarbeitet werden.

Die notwendige Infrastruktur für diese Tests stellt das Fraunhofer-Institut mit seinem E-Government-Labor zur Verfügung. In das Projekt sollen auch, so erläutert Seemayer, weitere Hersteller, Open-Source-Anbieter und Verwaltungen mit einbezogen werden. Namen wollte er nicht nennen, dafür seien die Gespräche mit den Beteiligten noch zu jung. Der Vorschlag, auch Open-Source-Vertreter mit ins Boot zu holen, kam ursprünglich von der Fraunhofer Gesellschaft. “Wir haben überhaupt kein Problem damit”, beteuert Seemayer.

Derzeit werden die verschiedenen Szenarien für die Testumgebung aufgebaut, ein erster Erfahrungsbericht soll Mitte November veröffentlicht werden. Anschließend startet der so genannte ‘Knowhow-Transfer’. Das heißt, zu den Ergebnissen der Testreihen wird es Whitepapers und Workshops geben, Zielgruppe sind vor allem Entscheidungsträger aus der öffentlichen Verwaltung. Gleichzeitig werden gemeinsam mit Verwaltungen bis Frühjahr nächsten Jahres Pilotsysteme aufgebaut. Dafür werden noch fünf bis sechs interessierte Behörden gesucht.

Es geht bei diesem Projekt auch darum, Deutschland in Sachen E-Government auf die Sprünge zu helfen. Die IT-Umgebungen der Behörden hierzulande sind historisch gewachsen, anders gesagt: durch und durch heterogen. In diesem Umfeld müssen onlinefähige Dienstleistungen geschaffen werden, ohne dass Insellösungen entstehen. “Unsere Vision ist die einer E-Government-Landschaft, in der das Zusammenwirken der verschiedensten Technologien und Produkte auf der Anwendungsebene nahtlos möglich ist”, sagt Butschner. Sehr weit in diesem Bereich seien osteuropäische Länder wie zum Beispiel Polen. Sie seien “überraschend schnell und gut”.

Bei den Tests im Fraunhofer-Labor wird auch der XML-basierte Austausch von Office-Dokumenten, zum Beispiel Office 2003 und OpenOffice, untersucht. Sun Micosystems setzt sich derzeit gemeinsam mit der EU dafür ein, dass OpenOffice.org als internationaler Standard anerkannt wird. So hat Sun-Präsident Jonathan Schwartz der OASIS (Organization for the Advancement of Structured Information Standards) vorgeschlagen, das fertige Format der ISO (International Organisation of Standardization) vorzulegen. Vor allem öffentliche Auftraggeber legen auf ein solches ISO-Zertifikat Wert – auch hier lockt also das Geschäft mit dem E-Government.